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Alena Geduldig, Softwareentwicklerin und IT-Beraterin

Alena Geduldig

"Für mich ist eigentlich das Beste an meiner Arbeit, dass sie mich immer wieder packt."

Von Alena Geduldig

 

 

Erzähl uns doch erst einmal, wie du zu itemis gekommen bist und wie dein Einstieg bei uns war.

Bevor ich im August 2018 bei itemis angefangen habe, war ich Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Köln. Dort habe ich Informationsverarbeitung studiert und schon als Studentische Hilfskraft angefangen, im Institut für Sprachliche Informationsverarbeitung zu arbeiten. Der Studiengang lässt sich grob mit „Informatik der Geisteswissenschaften” – also Informatik zur Lösung von geisteswissenschaftlichen Fragestellungen – übersetzen.

Mein Schwerpunkt lag insbesondere in den Bereichen Machine-Learning und Text-Mining. Irgendwann wollte ich dann aber mal raus aus der Uni und den ganz „klassischen” Informatik-Weg einschlagen.

Das ging leichter als gedacht. Itemis hat mich über ein berufliches Netzwerk kontaktiert und zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Da hat einfach alles gepasst, und mein Entschluss, ins IT-Consulting zu wechseln, hat sich bestärkt.

In meiner Einarbeitungsphase durfte ich vielen Kolleginnen und Kollegen jeweils eine Woche über die Schulter gucken und konnte so die unterschiedlichen internen und externen Projekte und vor allem den Berufsalltag eines IT-Consultants kennenlernen: den Kontakt zum Kunden, die organisierte Zusammenarbeit in einem aus unterschiedlichen Rollen zusammengesetzten Team und die fest in den Arbeitsprozess integrierten Meetings. Für mich war das die beste Vorbereitung und Motivation, endlich selbst in ein Projekt einzusteigen.

An welchen Projekten arbeitest du zurzeit, und wie dürfen wir uns deinen Arbeitsalltag vorstellen?

Momentan arbeite ich in einem externen Projekt für ein Kölner Dienstleistungsunternehmen für Bankensoftware. An vier Tagen der Woche arbeite ich beim Kunden vor Ort in Köln. Der Freitag ist bei itemis für Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen reserviert. Zusammen mit vier anderen Entwicklern und Entwicklerinnen – darunter sind auch zwei itemis-Kollegen – arbeiten wir an einem Rating-Rechenkern zur Risikobewertung von Privat- und Firmenkunden.

Dabei gehen wir nach dem Entwicklungsmodell Scrum vor, das heißt zusammen mit dem (weiblichen) Product Owner planen wir jeweils möglichst detailliert die anstehenden Aufgaben und legen uns auf einen festen Arbeitsumfang für die nächsten drei Wochen (Sprint) fest. Die Entwicklungsaufgaben werden dann – mal via Pair-Programming, mal allein – umgesetzt. Grundlegende Fragen, zum Beispiel Architektur- oder Technologieentscheidungen, werden im Team besprochen.

Mein typischer Arbeitsalltag ist abwechslungsreich. Die meiste Zeit arbeite ich an der Umsetzung neuer Features. Ein fester Bestandteil sind aber auch Code-Reviews. Wir arbeiten nach dem 6-Augen-Prinzip, das heißt bevor neuer Code in das Endprodukt eingeht, wird er von zwei weiteren Teammitgliedern begutachtet. Das verringert nicht nur das Einschleichen von (Schönheits-)Fehlern, auf diese Weise bleiben wir auch immer auf dem Laufenden über alle Neuerungen im Programm.

Außerdem finden regelmäßig Meetings statt, in denen wir zum Beispiel die Neuentwicklungen präsentieren oder gemeinsam auf den letzten Sprint zurückblicken und Maßnahmen für den kommenden ableiten. Insgesamt ist die Arbeit sehr teamorientiert, und man ist nie auf sich allein gestellt. Das gefällt mir.

Was fasziniert dich an deiner Tätigkeit am meisten?

Für mich ist eigentlich das Beste an meiner Arbeit, dass sie mich immer wieder packt. Es macht mir Spaß, immer wieder Lösungen für ganz unterschiedliche Probleme zu finden. Manche Probleme sind schnell gelöst, manche beschäftigen einen tagelang und erfordern viel Durchhaltevermögen. Umso besser fühlt es sich an, wenn man schließlich ans Ziel kommt.

Mich packt dann einfach der Ehrgeiz, und die Zeit vergeht dabei jedes Mal wie im Flug. Genau so sollte sich Arbeit doch anfühlen.

Ist es für eine Frau schwieriger, in einem eher männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten? Welche Erfahrungen hast du diesbezüglich bei itemis gemacht?

Ich habe zum Glück noch nie negative Erfahrungen machen müssen und habe mich nie fehl am Platz oder benachteiligt gefühlt, weil ich eine Frau bin. Ich mache mir darüber keine Gedanken. Das muss ich auch nicht, denn es spielt in meinem Arbeitsalltag bei itemis einfach keine Rolle.

Ich habe im Gegenteil gemerkt, dass viele Unternehmen und insbesondere itemis sehr bemüht sind, etwas an der ungleichen Geschlechterverteilung zu ändern und dass Frauen – nicht nur statistisch motiviert – sehr willkommen sind.

Warum gibt es so wenige Frauen in der IT-Branche, und was muss sich deiner Meinung nach ändern, damit mehr Frauen mathematisch-technische Berufe wählen?

Ich glaube, oft fehlt einfach der Zugang. Viele Mädchen oder junge Frauen haben bis zur Berufswahl kaum Berührungspunkte mit Informatik, und es mangelt an Gelegenheiten, schon früh ein Interesse zu entwickeln. Mehr Informatikunterricht – auch schon an Grundschulen – würde dabei sicher helfen. Und da sollte dann auch mehr passieren, als nur Excel und Powerpoint zu lernen.

Ich denke nicht, dass Mädchen weniger begeisterungsfähig für Informatik sind. Sie kommen nur einfach nicht auf die Idee, Informatik für sich zu entdecken und als Berufsfeld in Betracht zu ziehen. Vielleicht liegt das an fehlenden weiblichen Vorbildern und daran, dass Mädchen weniger Impulse von von außen bekommen als Jungs. Aktionen wie der „Girls’ Day” sind ein guter Ansatz, um dem stereotypen Bild der Arbeitswelt entgegenzuwirken.

Ich selbst bin auch erst auf Umwegen zur Informatik gekommen. Nach dem Abi habe ich Mathe und Deutsch auf Lehramt studiert. Das hat mir vor Augen geführt, dass mir analytisches und logisches Denken einfach viel mehr Spaß machen und dass ich mehr davon möchte, als mir mein Studium bietet.

Erst dann hat sich nach und nach die eher pragmatische Idee entwickelt, dass Informatik etwas für mich sein könnte. Die Begeisterung kam dann mit dem Studium. Im Nachhinein ist meine Berufswahl absolut logisch, aber nach dem Abitur wäre sie mir einfach abwegig vorgekommen.

IT gilt immer noch als eine typische Männerdomäne. Hast du das Gefühl, mehr leisten zu müssen als deine männlichen Kollegen?

Ich denke, dass in puncto Gleichberechtigung immer mehr passiert und dass Vorurteile, wie Frauen seien das „schwächere Geschlecht”, weniger leistungsstark und weniger gut für technische Berufe geeignet, zum Glück immer mehr veralten. Umso weniger steht man auch als Frau unter dem Druck, dieses falsche Bild widerlegen zu müssen. Ich fahre am besten damit, mich von solchen Gedanken einfach frei zu machen.

Hast du schon mal das Gefühl gehabt, als IT-lerin nicht ernst genommen zu werden?

Ehrlich gesagt, manchmal schon ein wenig. In der Vergangenheit bin ich schon mehrmals in beruflichen Netzwerken mit „Herr Geduldig” angesprochen worden. Wenn das Geschlecht nicht mal hinterfragt wird, sondern bei Informatik-Kenntnissen gleich von einem Mann ausgegangen wird, ärgert mich das schon sehr. Dann fühle ich mich nicht ernst genommen und antworte auch entsprechend.

Ab und zu bekomme ich also schon zu spüren, dass die Branche von Männern dominiert wird – allerdings auch positiv, da viele Unternehmen bemüht sind, etwas zu ändern, und Frauen mittlerweile sehr willkommen sind.

Mit welchen Fähigkeiten bereichern Frauen die IT-Branche deiner Meinung nach?

Klassischerweise wird Frauen ja oft unterstellt, dass sie weniger analytisch und dafür empathischer sind. Ich glaube, das ist ein Klischee. Das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Es gibt nicht die Fähigkeit, die Frauen mitbringen und die Männern fehlt, oder anders herum.

Jeder Mensch, unabhängig vom Geschlecht, hat seine persönlichen Stärken und Schwächen. Im Idealfall ist ein Team so zusammengestellt, dass es sich gut ergänzt. Das ist meine Meinung. Aber fragt doch mal meine männlichen Kollegen, die schon in gemischten und rein männlichen Entwicklerteams gearbeitet haben!

Welche beruflichen Ziele hast du persönlich für deine eigene Karriere?

Momentan kann ich wirklich behaupten, dass ich genau das mache, was ich machen möchte. Die Arbeit macht mir Spaß, und man lernt kontinuierlich dazu. Solange ich nicht das Gefühl habe, auf der Stelle stehen zu bleiben, sondern mich persönlich weiterentwickle, mache ich mir daher wenig Gedanken um die Zukunft.

Was würdest du Frauen, die sich mit IT bzw. mathematisch-technischen Berufen beschäftigen wollen, raten?

Einfach machen und den Mut haben, sich auszuprobieren! Die IT-Branche ist sehr vielfältig, bietet so viele Möglichkeiten und ist kommunikativer und teamorientierter als ihr Ruf. Wenn das Interesse da ist, sollte man sich die vielen Karrierechancen nicht entgehen lassen.

Auch wer bisher noch nicht die Gelegenheit hatte, Erfahrungen im technischen Bereich zu sammeln, braucht einen IT-Beruf nicht auszuschließen. Wem logisches Denken liegt und Spaß macht, sollte sich einfach mal über die mittlerweile sehr vielfältigen Studiengänge informieren. Und vor allem: sich nicht von der ungleichen Geschlechterverteilung entmutigen lassen, sondern das Seltenheitsmerkmal „Frau” positiv auslegen und für sich nutzen.