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Konrad Zuse, Erfinder des ersten voll funktionsfähigen programmgesteuerten Rechners

Die Gefahr, dass der Computer so wird wie der Mensch, ist nicht so groß wie die Gefahr, dass der Mensch so wird wie der Computer

Von Deborah Liebig

 

 

Die Gefahr, dass der Computer so wird wie der Mensch, ist nicht so groß wie die Gefahr, dass der Mensch so wird wie der Computer.

Konrad Ernst Otto Zuse war ein deutscher Erfinder, Bauingenieur und Unternehmer. Er entwickelte den ersten voll funktionsfähigen programmgesteuerten Rechner und die erste höhere Programmiersprache der Welt.

Damals...

...am 12. Mai 1941 präsentierte Zuse in Berlin den ersten, in allen Komponenten funktionsfähigen, frei programmierbaren Digitalrechner in binärer Schalttechnik. Vor diesem "Ur-Computer" – mit einem Kampfgewicht von 1.000 kg – hatte er zunächst das vollmechanische Rechenwerk Z1 und das Übergangsmodell Z2 entwickelt.

Während des Dritten Reichs waren die Umstände für Zuses Erfindungen dabei alles andere als günstig. Er tüftelte in einer kleinen Gruppe mehr oder weniger alleine vor sich hin, denn er konnte sich nicht mit ausländischen Wissenschaftlern austauschen. Im Gegensatz zur US-Regierung gab es für die Entwicklung von Computern im Deutschen Reich keine Förderung. Die Arbeit wurde nicht als kriegswichtig eingestuft. Und für die notwendigen Bauteile musste Zuses Team meist auf Altmaterial zurückgreifen. Dennoch konnte er eine Unabkömmlichkeitserklärung durchsetzen, sodass ihm Einsätze an der Ostfront erspart blieben.

Sein drittes Modell war vollautomatisch, programmgesteuert und arbeitete in binärer Gleitkommarechnung. Zuse war der Erste, der diese Arithmetik in der Rechnertechnik einsetzte. Weitere neuartige Merkmale der Z3 waren die Ein- und Ausgabegeräte, Mikroprogramme, das Pipelining von Instruktionsfolgen, die parallele Ausführung von Operationen und die Möglichkeit der Benutzerinteraktion. All das sind Eigenschaften moderner Computer.

Im Jahr 1945 zog Zuse nach Bayern. Dort gründete er eine eigene Firma und konstruierte weitere Rechenmaschinen. Auch die erste höhere Programmiersprache der Welt – der sogenannten Plankalkül – wurde hier von ihm entwickelt.

Obwohl nach der Erfindung der Z3 fünf Jahre vergingen, bis 1946 der Electronic Numerical Integrator and Computer (ENIAC) das Licht der Welt erblickte, wird er in den USA und vielen anderen Ländern für den "wahren" ersten Computer gehalten. Die ENIAC war der fünfte Digitalrechner, aber der erste, der gleichzeitig programmierbar, turingmächtig und elektronisch war. Die Z3 dagegen war zwar nicht elektronisch, arbeitete dafür aber nicht mit dem Dezimalsystem. Wenn das historische Alter und die binäre Arbeitsweise zählen, mit der bis heute alle Computer arbeiten, war die Z3 die "Urgroßmutter" aller Computer.

Heute...

...kann man einen Nachbau der Z3 im Deutschen Museum in München bewundern. Das Original wurde im Dezember 1943 bei einem Bombenangriff zerstört. Auch das war ein Grund dafür, dass die ENIAC als Auftragsarbeit der US-Armee nach dem zweiten Weltkrieg die meiste Aufmerksamkeit auf sich zog.

Konrad Zuses Leistungen wurden – genau wie bei Alan Turing – erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg gewürdigt. Dass auch seine Z3, rein theoretisch und auf Umwegen, Turing-vollständig war, fand man beispielsweise erst 1998 heraus. Zuse konnte das nicht mehr miterleben, er starb im Dezember 1995.

Foto: Konrad Zuse (1992) von Wolfgang Hunscher, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons, zugeschnitten

 

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