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Ada Lovelace – Zahlenlady und Visionärin

Hundert Jahre bevor der erste Computer gebaut wurde, schrieb sie den ersten Code

Von Jenny Tiesler

 

 

Mathematical science shows what is. It is the language of unseen relations between things.

Vor fast 200 Jahren war an Computer wie wir sie heute kennen, noch nicht zu denken. Trotzdem entwickelte Ada Lovelace bereits die Vision einer Maschine, die mehr kann als nur rechnen und schrieb den ersten Algorithmus zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen. Sie träumte davon, dass die Maschine eines Tages Musik komponieren würde.

Damals…

…zählte Ada Augusta Byron, Countess of Lovelace, durch ihren Stand im aristokratischen England des 19. Jahrhunderts zu den privilegierten Menschen. Trotzdem durfte sie als Frau weder eine Bibliothek besuchen, geschweige denn studieren. Erst knapp 20 Jahre nach ihrem Tod konnten die ersten Frauen in England ein Studium aufnehmen.

Anders als bei vielen ihrer Zeitgenossinnen wurde Adas naturwissenschaftliches Interesse und ihr großes mathematisches Talent trotzdem gefördert. Adas Mutter, Anne Noel-Byron, 11. Baroness Wentworth, selbst hegte nämlich eine große Affinität zur Mathematik und wurde scherzhaft von Adas Vater, keinem geringeren als dem Dichter Lord Byron, Princess of Parallelogramms genannt. Die Baroness förderte gezielt die naturwissenschaftliche Bildung ihrer Tochter – auch aus Angst, sie könne ihre poetische Ader entdecken und ihrem Vater nachstreben. Von diesem hatte sie sich kurz nach Adas Geburt wegen unzähliger Eskapaden und körperlichen Angriffen getrennt.

Die junge Ada Lovelace faszinierten Maschinen aller Art und sie verbrachte viel Zeit damit, sie zu studieren und zu analysieren. Die Idee, eine Flugmaschine zu entwerfen und die "Wissenschaft" der Flyology zu begründen, ließ sie als 13-Jährige nicht los und sie entwarf Pläne für eine dampfbetriebene Flugmaschine.

Die einzige Möglichkeit, die Frauen damals hatten, um sich intellektuell auszutauschen, waren sogenannte Salons, bei denen Gäste unterschiedlichster Couleur zusammenkamen und ein reger kultureller und wissenschaftlicher Austausch stattfand. Oft waren adelige Frauen Gastgeberinnen dieser Salons. Beim Besuch eines ebensolchen lernte Ada Lovelace im Alter von 17 Jahren die schottische Astronomin Mary Somerville und den Mathematiker Charles Babbage kennen – zwei Begegnungen, die ihr Leben veränderten. Die unabhängige Forscherin Mary Somerville war eine Art Role Model für die junge Ada und mit Babbage verband sie dieselbe Faszination für Maschinen. Einige Jahre zuvor hatte der englische Mathematiker die erste funktionierende Differenzmaschine entwickelt. Von Neugier getrieben besuchte sie 1833 Babbage und bestaunte den Prototypen seiner Differenzmaschine mit dessen Hilfe polynominale Funktionen gelöst werden konnten. Noch spannender war für die junge Adelige aber die aktuellen Skizzen seiner "Analytical Engine", an dem der Wissenschaftler tüftelte. Lokomotivengroß und aus über 50.000 Einzelteilen sollte die Maschine bestehen, die nach dem Lochkartenprinzip weit mehr können sollte, als nur Funktionen zu berechnen. 

The Analytical Engine does not occupy common ground with mere 'calculating machines.' It holds a position wholly its own, and the considerations it suggests are more interesting in their nature.

Babbage und seine Enchantress of Number, seine Zahlenzauberin, wie er sie nannte, wurden enge Verbündete. Als seine "Mitarbeiterin" übersetzt Ada Lovelace 1842 eine Abhandlung über Babbages "Analytical Engine" aus dem Französischen ins Englische. Aber es blieb nicht bei einer reinen Übersetzung. Von Babbage ermutigt, ergänzte sie den Text mit zahlreichen Anmerkungen und aus dem ursprünglich 25 Seiten wurden 66. In ihren Notes greift sie dem damaligen Stand der Forschung weit voraus. Sie sah in der "Analytical Engine" viel mehr als eine Rechenmaschine. Während diese nur fixe Berechnungen durchführte, könnten analytische Maschinen „programmiert“ werden. Eine solche „Programmierung“ legte sie schließlich mit ihrem schriftlichen Plan zur Berechnung der Bernoulli-Zahlen in einem Diagramm ihren Notes bei. Hundert Jahre bevor Konrad Zuse den ersten Computer baut, schrieb Ada Lovelace das erste "Computerprogramm", das sie jedoch nie testen konnte. Denn wegen fehlender Forschungsgelder konnte Babbage seine "Analytical Engine" niemals bauen.

Bemerkenswert ist vor allem die Weitsicht Ada Lovelaces: Sie nahm an, dass die Maschine in Zukunft nicht nur Zahlen, sondern auch Bilder verarbeitet. Visionär, denn die Fotografie war erst vor weniger als 5 Jahren erfunden worden und noch nicht verbreitet. In Ada Lovelaces Vorstellung hatte die "Analytical Engine" sogar das Potenzial eines Tages Buchstaben zu Texten und sogar Töne zu Musikstücken zusammenzufügen:

Supposing, for instance, that the fundamental relations of pitched sounds in the science of harmony and of musical composition were susceptible of such expression and adaptations, the engine might compose elaborate and scientific pieces of music of any degree of complexity or extent.

Ein Einwand, der zu unzähligen Diskussionen und Widerlegungen führte, z.B. von Alan Turing. In seinem Aufsatz Computing Machinery and Intelligence aus dem Jahr 1950 nimmt er ihre Annahme als "Lady Lovelace Objection" auf und widerspricht ihr.

Ada Lovelace starb 1852 im Alter von 37 Jahren. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit zog sie drei Kinder groß. Wie viele Frauen heute noch, war für sie Beruf und Familie eine Herausforderung. Ihr Mann, der das Talent seiner Frau erkannte, unterstützte sie, indem er für sie in Bibliotheken Aufsätze abschrieb. Ihr Werk geriet in Vergessenheit und wurde erst gut hundert Jahre nach ihrem Tod entdeckt und gewürdigt.

Heute…

… ist Ada Lovelace weltberühmt. Ihre Lebensgeschichte hat Romanautor:innen, Comiczeichner:innen und Regisseur:innen inspiriert, die sie in ihren Filmen, Theaterstücken, Comics und Büchern verewigten. Auch wenn einige Forscher:innen in Frage stellen, dass ihr Algorithmus als erste Programmierung bezeichnet werden kann, zweifelt niemand an ihrer visionären Kraft. Zurecht ist sie heute Role Model und neben einer Computersprache aus den 1970-er Jahren tragen Grafikprozessoren und Straßen ihren Namen. Zahlreiche Initiativen und Förderprojekte für Mädchen und junge Frauen im MINT-Bereich steht sie mit ihrem Namen Patin. Die British Computer Society verleiht seit 1998 die Lovelace Medal und die Association for Women in Computing zeichnet Frauen seit 1983 für ihre Leistungen in der Informatik mit dem Ada Lovelace Award aus. Zu den Preisträgerinnen gehören Grace Hopper und Margaret Hamilton. Ihre Vision, dass Maschinen Musik komponieren, wurde erst 2010 an der Universität in Málaga umgesetzt, Komponist war der Superrechner IAMUS.

Bild: Portrait of Ada, Countess of Lovelace, Science Museum Group, Creative Commons Legal Code by Wikimedia Commons

 

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