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No-Code-Low-Code-Plattformen: Die Zukunft des Programmierens?

Konfigurieren statt programmieren – was können die Software-Zauberkästen?

Von Jenny Tiesler

 

 

Wenn Unternehmen eine neue Softwarelösung brauchen, standen sie bisher unweigerlich vor der Frage: "Build or buy?" Klassische, maßgeschneiderte Individualentwicklung oder günstigere, aber dafür schlechter sitzende IT-Lösung von der Stange? Heute schlagen No-Code-Low-Code-Plattformen eine Brücke zwischen genau dieser Fragestellung – mit erstaunlichen Ergebnissen. Egal, für welche Branche Du Dich bei Deinem Berufsstart in der IT entschieden hast: Als Berufsanfänger:in wirst Du in der Web- und Appentwicklung, aber auch im IT-Consulting oder der Business Analyse früher oder später auf die No-Code-Low-Code-Lösungen, kurz NCLC, stoßen. Diese Entwicklungsplattformen haben in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen und werden von vielen Unternehmen genutzt, um Softwarelösungen schneller und einfacher zu entwickeln. Analysten wie Gartner schätzen, dass bis 2026 rund 80 Prozent aller neuen Softwareanwendungen mit Low-Code-Entwicklungsplattformen entstehen werden. Im Vergleich: 2021 waren es circa 40 Prozent. Was können No-Code- und Low-Code-Tools? Für wen sind diese Entwicklungsplattformen interessant? Und wie kannst Du z.B. im Consulting, im UX-Design oder der Business Analyse von No-Code-Low-Code-Lösungen profitieren? Genau das schauen wir uns jetzt einmal an.

Definition No-Code-Low-Code-Plattformen

NCLC ist ein Ansatz in der Softwareentwicklung, mit dem Du Anwendungen ohne oder mit nur wenigen Programmierkenntnissen erstellst. In der Regel wird zwischen No-Code- und Low-Code-Plattformen unterschieden. No-Code-Plattformen sind Entwicklungsumgebungen, in denen Du keine Kenntnisse in einer konventionellen Programmiersprache wie Java oder Python brauchst, da Du mit visuellen Programmierwerkzeugen Anwendungen durch das Zusammenfügen von vorgefertigten Modulen und Komponenten per drag-and-drop erstellst. Den generierten Code kannst Du nicht bearbeiten. Klassische Website-Builder und Landingpage-Tools sind gute Beispiele für No-Code-Anwendungen. No-Code-Plattformen nutzt Du meistens über das Web als SaaS-Lösung oder sie werden im unternehmenseigenen Netzwerk bereitgestellt. Die Grenzen zu Low Code sind oft fließend.

Hast Du die Möglichkeit wie z.B. bei Wordpress oder Salesforce, die automatisch generierte Codebasis mit eigenem Code und Skripten zu individualisieren oder Funktionen per Javascript oder SQL Queries zu definieren, sind wir schon im Low-Code-Bereich. Für Low-Code-Umgebungen brauchst Du ein größeres technisches Verständnis und Du arbeitest oft, wie in der herkömmlichen Softwareentwicklung auch, in einer integrierten Entwicklungsumgebung. Als Anwendungsentwickler:in hilft Dir eine Low-Code-Plattform z.B. dabei, wesentlich schneller zu einem einsatzbereiten Ergebnis zu kommen. Je nachdem, welche Software Du verwendest, hast Du ziemlich fix die kompletten grafischen Elemente der App gebaut und musst nur für die Bereitstellung wirklich an den Code ran. 

Der Begriff No-Code-Low-Code
  • Geprägt wurde der Begriff vom Marktforschungsunternehmen Forrester, das 2014 erstmals über die neuen Development-Plattformen berichtete. Der Begriff ist etwas unglücklich, denn in den allerseltensten Fällen werden die Plattformen ausschließlich durch grafische Elemente gesteuert. Bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. AppSheet handelt es sich bei den allermeisten NCLC-Plattformen um Low-Code-Entwicklungsumgebungen. 

Warum wird No-Code-Low-Code immer wichtiger für die Softwareentwicklung?

Um die digitale Transformation in der notwendigen Geschwindigkeit voranzubringen, fehlten in Deutschland 2022 rund 137.000 IT-Fachkräfte. Während der Bedarf an digitalen Produkten exponentiell steigt, steigt die Zahl der Software Developer aber nur linear. Nicht nur deshalb setzen Unternehmen immer mehr auf Low-Code-Lösungen. Denn die reduzieren den manuellen Aufwand für Devs erheblich und sogenannte Citizen Developer übernehmen einen großen Teil der Entwicklung.

Programmieren ohne Code – die Rolle von Citizen Developern

Fachexpertin, Ottonormalentwickler oder eben Citizen Developer: Gemeint sind Menschen, die Programme entwickeln, aber keine Programmiersprache beherrschen. Das können Facharbeiter:innen in der Logistik, der Buchhaltung oder Marketing Specialists sein, die die Arbeitsabläufe sehr gut kennen und genau wissen, wofür sie die Anwendung brauchen. Sie sind die Zielgruppe der meisten Low-Code-Technologien, also die Schnittstelle zwischen IT- und Fachabteilung.

No-Code-Low-Code-Plattformen sind ein toller Werkzeugkasten für alle, die Softwarelösungen entwickeln möchten, aber keine umfangreichen Programmierkenntnisse haben. Dazu gehören neben Spezialist:innen aus den Fachabteilungen vor allem Business User. Als IT-Projektmanagerin, Business Analyst oder Consultant kannst Du mit den Tools Dein persönliches Dashboard zusammenstellen, Deinen Workflow automatisieren und wirst im Case Management unterstützt, damit Du alle relevanten Zahlen und Deadlines im Blick hast. No-Code-Plattformen eigen sich besonders gut für die interne Administration und als Business Process Modelling Tool, wenn immer wieder die gleichen Listen, Formulare und Dateien verwendet werden. 

Typische Merkmale von No-Code-Low-Code-Anwednungen sind intuitive Bedienung, grafische Darstellung von Prozessen und Logiken, fertige Module und Vorlagen.


Durch die intuitive Bedienung und die Möglichkeit, alle Schritte auf einer Plattform zu vollziehen, ist die Low-Code-Entwicklung einfach und vergleichsweise schnell. Einfach und schnell könnte Dir bekannt vorkommen, denn das sind u.a. die Grundprinzipien des agilen Arbeitens. Nicht nur die niedrigschwelligen Zugänge von NCLC entsprechen den agilen Methoden. Die Nutzer:innen und so gut wie alle Stakeholder können direkt in den Entwicklungsprozess eingebunden werden und durch die flexible modulare Konfiguration werden Änderungen fix umgesetzt.  

Die 4 wichtigsten Merkmale von Low-Code-Entwicklungsplattformen

  1. Modellgetriebene Entwicklung: Durch die visuellen Modelle von Geschäftslogiken, Daten etc. können Citizen Developer und Power User komplexe Anwendungen erstellen, ob Web oder mobile.

  1. Wiederverwendbarkeit: Widgets, Plug-ins und andere Komponenten sind sofort einsatzbereit und können immer wieder eingesetzt werden.

  1. Umfassender Support: Vom Prototyp bis zur Wartung der App unterstützen Low-Code-Plattformen den gesamten Entwicklungszyklus.

  1. Bereitstellung in der Cloud: Die Bereitstellung der Anwendung läuft bei den meisten Low-Code-Plattformen cloudbasiert und bietet so eine Menge Flexibilität bei der Bearbeitung. 

Mehr als Klicki-Bunti: Low-Code-Tools für erfahrene IT’ler:innen

Aber auch erfahrene Entwickler:innen können von No-Code-Low-Code-Plattformen profitieren und schneller und effizienter arbeiten. NCLC-Lösungen unterstützen Dich als Dev im bestehenden Entwicklungsprozess und übernehmen, wie bei dem Ansatz des Rapid Application Developments (RAD), die Routinearbeit. Während Du bei RAD die volle Kontrolle über Deine Codebasis hast und die Geschäftslogik selbst per Quellcode implementierst, unterstützen Low-Code-Tools üblicherweise alle notwendigen Schritte zur Implementierung und Anbindung der Datengrundlage über grafische Werkzeuge und Du modellierst die Geschäftsprozesse nur über das grafische Design.

Für Frontend-Developer und UX-Designer:innen sind Low-Code-Plattformen besonders für die Entwicklung von Prototypen spannend. Anders als bei Figma, Sketch und Co. können die Prototypen und erste Produktversionen im Laufe des Projekts innerhalb der Low-Code-Umgebung zur finalen Anwendung erweitert, bzw. mithilfe von Softwareentwickler:innen fertiggestellt werden.

Low-Code-Plattformen bieten mehr Möglichkeiten zur Individualisierung als eine komplette Softwarelösung von der Stange. NCLC kannst Du vom Prinzip mit einem Fertighaus vergleichen: Es wird ein Rahmen vorgegeben, aber Du hast trotzdem viele Möglichkeiten zur individuellen Anpassung z.B. an spezifischen Business-Anforderungen. Mit NCLC-Werkzeugen können bis zu 80 Prozent der Software entwickelt werden – ohne Programmierkenntnisse. Für den Feinschliff, die fehlenden 20 Prozent, ist nach wie vor Dein technisches Wissen als IT-Profi gefragt: Spätestens dann, wenn es um Schnittstellen zu bestehenden Systemen und das Deployment geht. 

… und No Code bedeutet nicht No Planning

Deine Spezialwissen in der IT-Architektur ist auch beim Einsatz von NCLC-Plattformen wie Appian, Mendix oder Microsoft PowerApps essentiell. Denn auch wenn hier erstmal kein Code geschrieben wird, ist es wichtig, vorab zu planen, wie sich die spätere Anwendung z.B. als Microservice in die Systemlandschaft integrieren lässt. Und auch in Sachen IT-Sicherheit ist Dein Wissen als IT-Security-Consultant und IT-Sicherheitsbeauftragte:r gefragt. Wo können potenzielle Sicherheitslücken entstehen? An welcher Stelle verstößt die No-Code-Low-Code-Plattform gegen die Compliance-Vorgaben? 

In diesen Bereichen kommen NCLC-Lösungen zum Einsatz

Wenn aus Compliance-Sicht nichts gegen die Baukasten-Tools spricht und für ausreichend Datensicherheit gesorgt ist, dann kommen sie z.B. in diesen Branchen und Anwendungsgebieten zum Einsatz:

  • Im E-Commerce und Handel, um Websites, Online-Shops und andere digitale Handelsplattformen zu erstellen

  • Im Gesundheitswesen, um Portale für Patient:innen, elektronische Akten und Telemedizin-Plattformen umzusetzen

  • Marketing und Werbung bauen Landing Pages, setzen Anzeigenkampagnen auf oder nutzen NCLC-Tools fürs Projektmanagement und Marketingmaterialien

  • In der Verwaltung wird der Workflow optimiert

  • Und im Bereich Bildung und E-Learning lassen sich Online-Kurse, Schulungsprogramme und E-Learning-Plattformen ohne Programmierkenntnisse umsetzen und pflegen

Generell können No-Code- und Low-Code-Tools in fast allen Branchen und Berufsfeldern genutzt werden, um z.B. bestimmte Aufgaben wie das Verschicken von Benachrichtigungen zu automatisieren oder Prozesse zu rationalisieren.  

Welche Vorteile haben No-Code-Low-Code-Lösungen?

Je nach Zweck und Anspruch sind die Software-Baukästen gute Alternativen zu Individualentwicklung und bieten Vorteile wie diese:

  1. Kurze Entwicklungszeit: Die Anwendungsentwicklung mit NCLC-Plattformen verkürzt die Entwicklungsdauer enorm und damit die Time-to-Market. Da IT-Lai:innen mitentwickeln, kannst Du Dich auf die kniffligen Stellen im Projekt fokussieren und passgenaue Lösungen coden.

  1. Geringere Kosten: Mit dieser Zeitersparnis werden gleichzeitig Kosten gesenkt. Auf die niedrigen Kosten zahlt auch die Wiederverwendbarkeit der Bausteine ein.

  1. Flexibilität: Durch den modularen Aufbau kannst Du die Software schnell anpassen und z.B. auf veränderte Marktanforderungen oder Feedback von Nutzer:innen reagieren.

  1. Bessere Qualität: Bei NCLC-Entwicklungen arbeiten Fachabteilung und IT sehr eng zusammen und entwickeln Synergien, die das Produkt verbessern. Die Gefahr von Silos ist kleiner.

  1. Einfachheit: Die intuitive Bedienung minimiert den Schulungsaufwand. Die Fachkräfte können ohne die IT Anpassungen vornehmen, haben mehr Impact und sind direkter mit dem Produkt verbunden. 

Was sind die Nachteile und Herausforderungen von No-Code-Low-Code?

Wo Licht fällt, gibt es auch Schatten. Und da sind wir auch schon bei einer der größten Gefahren bei der Nutzung von NCLC: dem Entstehen von Schatten-IT – also der Nutzung von Hard- und Software ohne Wissen und Genehmigung der IT-Abteilung. Im Vergleich zu Individualentwicklungen kann die Funktionalität von Softwarebaukästen nicht mithalten und für komplexe Anwendungen sind definitiv IT-Talente wie Du gefragt. Denn trotz der vielen Möglichkeiten out of the box bleiben Funktionalität und Anpassungsmöglichkeiten natürlich eingeschränkt verglichen mit maßgeschneiderter Software.

Die meisten Anbieter von No-Code-Low-Code-Entwicklungsplattformen haben ihren Sitz in den USA und können deshalb aus Compliance- und Datenschutzgründen für deutsche Unternehmen zum Stolperstein werden. 

Künstliche Intelligenz und NCLC – was bringt die Zukunft?

Klar, Fertigmöbel sind keine Designerstücke, aber durch die generativen KI-Modelle wie ChatGPT in der Softwareentwicklung werden Citizen Developer in Zukunft mehr Möglichkeiten haben, mit Individualcode die Anwendung nach ihrem Bedarf zurecht zu schnitzen. Wer wenig Programmierkenntnisse hat, fordert einfach die Sprach-KI per Textbefehl auf, für eine bestimmte Funktion Code zu generieren und integriert diese Schnipsel in seine Low-Code-Plattform. Eine erste KI-basierte Variante bietet Microsofts Power Apps. Hier kannst Du z.B. mit Wörtern beschreiben, wie ein Formular aussehen soll und die generative künstliche Intelligenz erstellt Dir schwuppdiwupp den passenden Code und verknüpft die Funktionen miteinander. 

Viele Wege führen in die Digitalisierung – NCLC ist definitiv einer davon

Mit No-Code-Low-Code können Fachkräfte mit geringer Unterstützung der IT-Abteilung schnell und kosteneffizient Anwendungen entwickeln. Auch als Entwickler:in mit guten Coding-Skills profitierst Du von den Tools und entwickelst z.B. viel schneller Prototypen und MVPs (Minimum Viable Product). Gerade im Hinblick auf die notwendige digitale Transformation eignen sich die Tools gut, um kleineren und mittelständigen Unternehmen in Sachen Digitalisierung kostengünstige Möglichkeiten an die Hand zu geben, ihre Prozesse zu digitalisieren.

Es wird sich zeigen, ob GitHubs CEO mit seiner Prognose "We think the future of coding is no coding at all", recht behält. Heute sind No-Code-Low-Code-Technologien (noch) kein Ersatz für traditionelle Softwareentwicklung, sondern eine Ergänzung. Unternehmen müssen sorgfältig abwägen, welche Art von Anwendungen sie mit No-Code-Low-Code-Tools entwickeln möchten, wie ihre Anforderungen sind und der Use Case überhaupt abbildbar ist. Die Kernkompetenz der Planung ist noch bedeutender, nicht nur, wenn es um sensible Daten und die kritische Infrastruktur von Unternehmen geht. Manche Schwachstellen zeigen sich manchmal erst bei der gesteigerten Nutzung und können von IT-Laien:innen nicht im Vorfeld mitgedacht werden. Also kein Grund in Panik auszubrechen. Trotz der smarten Tools und Code schreibenden ChatBots wirst Du als IT-Spezialist:in in Zukunft gebraucht, um Software zu testen, sie anzupassen und um sie sicher zu machen. 

tl;dr:
  • No Code ist eine Art der Softwareentwicklung, bei der Du so gut wie keine Programmierkenntnisse brauchst. Mit Hilfe dieser Anwendungen kannst Du auch ohne tieferes technisches Verständnis Websites erstellen oder Software entwickeln.
  • Low-Code-Plattformen bieten die Chance, die digitale Transformation zu beschleunigen. Sie entlastet die IT-Abteilung und bringt die Anwendungsentwicklung in die Fachabteilung.
  • Trotz der Laien-Entwickler:innen bist Du und Dein IT-Wissen gefragt, um Software anzupassen, zu testen und um sie vor Cyberattacken zu schützen.
 

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