Verwaltungsinformatik studieren

Hier wirst Du "VIT" für den Öffentlichen Dienst!

Bylle Bauer
Aufsicht Tastatur und Drucker

Der Öffentliche Dienst erweist sich nicht nur in Krisenzeiten für viele als idealer Arbeitsplatz. Neben einem planbaren Gehalt erwarten Dich dort viele weitere Vorteile wie wenig Druck, 30 Urlaubstage, eine hohe Familienfreundlichkeit, Zuschläge und die Aussicht auf Verbeamtung. Mit einem Studium der Verwaltungsinformatik – auf Englisch Administrative Informatics und abwechselnd VIT oder VINF abgekürzt – bereitest Du Dich optimal auf die Aufgaben im öffentlichen Sektor vor. Das Studium besteht zu 50 % aus Informatik-Inhalten, der Rest setzt sich aus verschiedenen Disziplinen wie Recht, BWL, Managementlehre und Verwaltungsorganisation zusammen. Und anstatt dafür zu zahlen, bekommst Du an manchen Hochschulen sogar Geld!

Was ist Verwaltungsinformatik?

Verwaltungsinformatik setzt ebenso wie ihre "große Schwester" Wirtschaftsinformatik IT-Lösungen ein, die die Ziele der jeweiligen Disziplin optimal bedienen. Das bedeutet in beiden Bereichen vor allem das Einsparen von Arbeitskraft durch Automatisierung, den effizienten Einsatz von Softwarelösungen für die anfallenden Aufgaben und die Orientierung an Strukturen und Organisationsformen aus der IT.

Nicht nur bei der Nutzung der technologischen Möglichkeiten, sondern auch konzeptuell nehmen sich öffentliche Behörden vermehrt Ansätze aus Wirtschaftsunternehmen zum Vorbild. Ein Beispiel hierfür ist die zunehmende Serviceorientierung in der Verwaltung.

Im Gegensatz zur WI verfolgt die VIT jedoch nicht das primäre Ziel, das Marktbestehen privatwirtschaftlich organisierter Unternehmen zu sichern. Die öffentliche Verwaltung muss sich keine Sorgen um ihr Fortbestehen machen, selbst wenn sie ineffizient und unwirtschaftlich arbeitet. Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert, denn durch den so genannten "hoheitlichen Auftrag" des Öffentlichen Dienstes musst Du manchmal mit einer Lösung klarkommen, für die Du Dich selbst vielleicht nicht entschieden hättest.

Als Verwaltungsinformatiker:in bist Du an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und IT tätig. Da Du beide Seiten kennst, kannst Du die Anforderungen der Verwaltung in eine IT-gestützte Lösung verwandeln oder diese genau an Dienstleistende kommunizieren. Umgekehrt kennst Du die technologischen Möglichkeiten (und deren Grenzen) und kannst den Mitarbeitenden in den Behörden bei Bedarf erklären, was geht und was nicht. Auf diese spezielle Übersetzerfunktion bereitet Dich der Studiengang Verwaltungsinformatik bestens vor!

Das Studium der Verwaltungsinformatik – Dual vs. Vollzeit

Manche Hochschulen bieten ein duales Studium an, in dem sich Theorie- und Praxissemester im Verhältnis 2:1 abwechseln. Es dauert in der Regel drei Jahre und setzt natürlich einen Ausbildungsplatz in einer öffentlichen Behörde wie dem Bundeskriminalamt, dem Bundesnachrichtendienst oder einem Amt auf Landes- bzw.- Kommunalebene voraus. Dort wirst Du mit dem Beamtenstatus auf Widerruf eingesetzt und entsprechend entlohnt. Die genaue Höhe dieser "Anwärterbezüge" variieren je nach Bundesland zwischen 900 und 1.300 € brutto im Monat. Nach dem Studium steigt Dein Lohn im Öffentlichen Dienst in festen, zeitlichen Staffelungen an – ganz ohne Gehaltsverhandlung.

Neben dem dualen Studium gibt es Vollzeit-Studiengänge; an einigen Unis kannst Du VIT lediglich als Modul belegen. Grundsätzlich nimmt in VINF der Erwerb von Praxiserfahrung einen hohen Stellenwert ein. Verwaltungsinformatik erlernst Du in einem 50-50-Mix. In dem 50%igen Informatik-Teil bekommst Du das volle Basispaket an Knowhow von Betriebssystemen, Datenbanken, Netzwerken und IT-Infrastrukturen. Du lernst die Grundlagen des Datenschutzes kennen und belegst Mathematik-Kurse.

Wie genau die anderen 50 % sich zusammensetzen, hängt vom Schwerpunkt der Hochschule ab. Es kommen jedoch immer Komponenten aus den Bereichen Verwaltung (Organisation, Management, Konzeption etc.), Recht (Verwaltungs-, Verfassungs-, Dienstrecht, Europa-, Zivilrecht usw.) und Betriebswirtschaftslehre vor. Oft nimmt auch das Erlernen sozialer und kommunikativer Fähigkeiten einen wichtigen Platz im Curriculum ein.

Wo kannst Du Verwaltungsinformatik studieren?

Da die Disziplin Verwaltungsinformatik noch dabei ist, sich in der akademischen Welt zu etablieren, ist die Auswahl der deutschen Hochschulen, die VIT anbieten, übersichtlich. Die Schwerpunkte und Strukturen des Studiums sind dabei zum Teil sehr unterschiedlich. Einen eigenständigen, spezialisierten Studiengang findest Du z.B. hier:

VIT in NRW

An der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung (HS Bund) kannst Du in Brühl und Münster ein in Kooperation mit dem ITZBund angebotenes duales VIT-Studium auf Diplom absolvieren. Es setzt sich aus 2 Jahren Theorie und 1 Jahr Praxis zusammen. Von Anfang an wirst Du von Deiner späteren Einsatzbehörde mit dem Beamtenstatus auf Widerruf angestellt und erhältst in dieser Anwartschaft Bezüge um die 1.200 € brutto pro Monat. Nach den drei Jahren, in denen Du Dir ein breites Wissen in den Informatik-Bereichen Entwicklung, Betrieb und Services aneignest, aber auch im IT-Projektmanagement und natürlich Verwaltungsaufgaben geschult wirst, kann Deine Zeit als beamtete Person auf Probe beginnen.

VIT in Berlin

In den 7 Semestern Deines Bachelor-Studiums an der Hochschule für Wirtschaft und Recht liegt ein Schwerpunkt auf der Praxisorientierung. Du erhältst Einblicke in eine Vielzahl relevanter Themenfelder, neben Informatik-Topics wie Entwicklung, Infrastruktur, Administration und Datenbanken lernst Du die ÖD-Basics in Sachen Recht, BWL, Verwaltungsverfahren und Rechnungswesen kennen. Außerdem tauchst Du ins Projekt- und Prozessmanagement ein und eignest Dir auch das Fach "Soziale Kompetenzen" an.

VIT in Bayern

In Bayern kannst Du Dein VIT-Diplom im Rahmen Deiner Beamtenausbildung erwerben. Dabei gehst Du für den Informatik-Teil in erster Linie an die HS Hof, während Du auf der Hochschule für den öffentlichen Dienst (HföD) mit Knowhow in Jura und WIrtschaftswissenschaften ausgestattet wirst. Bei dem dualen Studium wechseln sich Theorie- und Praxissemester ab. Die praktischen Module eignest Du Dir in Deiner Ausbildungsbehörde an. In Bayern bekommst Du Anwärterbezüge von 1.363 € brutto pro Monat. Nach den drei Ausbildungsjahren steigst Du auf der Gehaltsstufe A 10 in den Beamtendienst ein und verdienst im ersten Jahr 3.024 € brutto. In Bayern sind die Tarifstrukturen im Ländervergleich am höchsten.

VIT in Sachsen

Hier kannst Du z.B. an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Dresden ein 6-semestriges Bachelor-Studium in "Digitaler Verwaltung" bzw. VIT oder an der FH in Meißen berufsbegleitend einen Master in "Public Governance" absolvieren, dessen Inhalte zu 50 % aus Verwaltungsinformatik bestehen.

VIT in Sachsen-Anhalt

An der Hochschule Harz ist VINF Bestandteil des Bachelor-Studiengangs "Verwaltungsmanagement / eGovernment", der deutschlandweit einzigartig ist. Neben den Basics in IT und Verwaltungsmanagement erlernst Du hier umfangreiche soziale und kommunikative Kompetenzen. Programmierung gehört ebenso zu Deinen Fächern wie IT-gestütztes Prozessmanagement. Danach startest Du direkt im öffentlichen Sektor durch.

VIT in Niedersachsen

Im neuesten Vollzeit-Studiengang der Hochschule Hannover, der erst 2017 ins Leben gerufen wurde, wirst Du intensiv für die IT-Herausforderungen in öffentlichen Verwaltungen auf Landes- und Kommunalebene geschult. Du bekommst Deinen Einsatz mit 900 € pro Monat vergütet. Du kannst Dich sogar beim Land Niedersachsen um ein Stipendium bewerben. Während beim Studium viel Wert auf Praxiserfahrung gelegt wird, spielt auch der Theorie-Teil eine große Rolle.

Nach sechs Monaten Berufspraxis hast Du als VIT-Absolvent die Möglichkeit, Dich verbeamten zu lassen.

Deine Einsatzgebiete

Wenn Du Dich für ein Verwaltungsinformatik-Studium entscheidest, kannst Du Dir den Öffentlichen Dienst vermutlich gut als arbeitgebende Behörde vorstellen. Und Behörden gibt es überall, in allen Größen, Formen und Farben und mit den unterschiedlichsten Grundvoraussetzungen ausgestattet.

Verwaltungsinformatiker:innen finden in allen Einrichtungen des öffentlichen Sektors und auf allen administrativen Ebenen – Länder und Kommunen, Bund, EU – eine Beschäftigung. Auch in öffentlichen Unternehmen wie den Stadtwerken, dem ÖPNV oder Gesundheitseinrichtungen werden Deine Skills benötigt. Zu guter Letzt kannst Du auch in der freien Wirtschaft Fuß fassen, vorzugsweise bei Dienstleistenden für den öffentlichen Sektor wie Softwareunternehmen oder Beratungshäuser mit hoheitlichem Auftrag.

Typische Berufe und Aufgaben:

  • Als Administratorin hältst Du die oft mächtigen Systeme Deiner Behörde am Laufen. Du sorgst dafür, dass Rechenzentren schnurren, Netzwerke stabil sind und die IT-Infrastruktur up to date und sicher ist. Konfiguration, Betrieb und Monitoring gehören zu Deinen Hauptaufgaben.
  • Um die Verwaltungssysteme, die ja ausgesprochen sensible Daten beherbergen, gegen Angriffe von außen oder interne Sicherheitslücken zu schützen, kannst Du Deinen Schwerpunkt auf IT-Security legen. In diesem spannenden Feld führst Du Sicherheitsanalysen, Audits und Penetrationstests durch und ergreifst Maßnahmen, um die IT-Sicherheit der Behörde zu erhöhen.
  • Als IT-Consultant bist Du für die Beratung der Behörden bezüglich deren IT-Systemen zuständig, oft auch bei einem dienstleistenden Unternehmen für den ÖD. Viele behördliche Prozesse müssen noch digitalisiert bzw. modernisiert werden. Du bildest eine Brücke zwischen Verwaltungsangestellten und IT, um die Bedarfe des jeweiligen Bereichs zu ermitteln und in technologische Anforderungen zu übersetzen.
  • Auch als IT-Projektmanagerin mit Verwaltungsinformatik-Background findest Du vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten im öffentlichen Sektor. Du steuerst zum Beispiel Softwareeinführungen, begleitest Migrations- und Transformationsprojekte oder leitest eine Online-Imagekampagne. Dabei hast Du oft ein Team unter Dir und bedienst Dich moderner Projektmanagement-Methoden.
  • Als Anwendungsentwickler bist Du in der Lage, Software zu programmieren oder so zu customizen, dass sie perfekt auf die Bedürfnisse der Behörde, in der Du arbeitest, zugeschnitten ist. Dafür arbeitest Du in der Regel in einem interdisziplinären Team und kommst mit spannenden Modernisierungsthemen in Berührung, in denen Du Deine Kenntnisse “amtlich” einbringen kannst!

TL;DR:
  • Verwaltungsinformatik nutzt IT-Lösungen zur optimalen Unterstützung von Verwaltungsaufgaben.
  • Das Studium setzt sich zur einen Hälfte aus typischen IT-Inhalten, zur anderen aus verwaltungsrelevanten Themen wie Recht, Organisation, Management oder Betriebswirtschaft zusammen.
  • Ein VIT-/VINF-Studium prädestiniert Dich für eine Laufbahn im öffentlichen Sektor bzw. bei einem Dienstleistenden, der für diesen tätig ist.
  • Bei einem dualen Studium erwirbst Du eine Menge Praxiserfahrung als “beamtete Person auf Widerruf” und bekommst in Deiner Anwartschaft um die 1.000 € pro Monat. Im Anschluss kannst Du mit dem "Beamtenstatus auf Probe" direkt einsteigen, oft in Deiner Ausbildungsbehörde.
  • Auch wenn Du das VIT-Studium in Deutschland nur an relativ wenig Standorten studieren kannst, hast Du mit einem Abschluss in der Tasche eine Riesenauswahl an Jobs bei sehr vielen potenziellen Arbeitgebenden – da ist bestimmt was Passendes für Dich dabei!