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IT-Berufsstart in Zeiten der Wirtschaftskrise

Digitalize or die: Welche Auswirkungen haben Pandemien, Energiekrisen und Kriege auf den IT-Arbeitsmarkt?

Von Bylle Bauer

 

 

Inzwischen sind wir fast alle im post-pandemischen new normal angekommen. In vielen Bereichen wurden Corona-Maßnahmen aufgehoben und bestimmt genießt Du es, endlich wieder die ganz normalen Dinge zu tun: ob in der Uni in einer Präsenzveranstaltung zu sitzen oder mit Deinem Team endlich mal wieder nach Feierabend zu zocken. Tja, und nun sieht es so aus, als kommt eine dicke Wirtschaftskrise um die Ecke. Und als wenn das noch nicht genug wäre, könnten die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine uns zusätzlich in einer Energiekrise führen. Ach ja, und die Klimakrise haben wir ja auch noch nicht im Griff… Wir haben mal für Euch genauer hingeschaut, was die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage für Euch am Berufsstart bedeutet.

Hinweis: Natürlich ist es schwierig, 100 % verlässliche Aussagen und Vorhersagen zu treffen. Unser Artikel beruht daher auf Prognosen, wie es weitergehen könnte (Stand Mai 2022) und wird regelmäßig aktualisiert.

Die Ausgangslage: Gerade für IT-Talente sind die Jobaussichten trotz Krise gut

Dass wir alle nach der Pandemie nicht nahtlos dort anknüpfen können, wo wir im Frühjahr 2020 stehen geblieben sind, ist klar. Vor allem in Sachen Digitalisierung hat uns Corona gezeigt, dass es jede Menge aufzuholen gibt. Wie groß der Bedarf an IT-Fachkräften ist, meldete der Branchenverband Bitkom Anfang des Jahres: Über 96.000 Stellen sind 2021 unbesetzt geblieben. Eigentlich gar keine so schlechten Nachrichten, oder? Und so wie es aktuell aussieht, wird die Nachfrage nach IT-Expert:innen das Angebot übersteigen, auch wenn wir die Corona-Krise überwunden haben. Denn die aktuelle Situation wirkt wie ein Beschleunigungsprogramm für die Digitalisierung. Wer auf IT-Infrastruktur spezialisiert ist, ist deshalb begehrt.

Die Auswirkungen der Corona-Zeit werden uns trotzdem noch lange begleiten. Und als wäre eine Pandemie nicht genug, herrscht seit Februar Krieg in Europa. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine, den verhängten Sanktionen gegen Russland und dem drohenden Energieengpass ist eine Zeitenwende angebrochen, die sich zusätzlich zu den bestehenden Produktions- und Lieferengpässe auf die Wirtschaft auswirkt. Auch wenn wir in Deutschland sicher vor physischen Angriffen sind, bedrohen Cyber-Attacken die Infrastruktur für Strom und Kommunikation. Global ist die Versorgung mit Soft-und Hardware gefährdet.

Lass uns mal anschauen, in welchen Bereichen und Branchen Du auch jetzt durchstarten kannst und worauf es dabei ankommt.

Nicht jede Branche ist gleich betroffen: Wo sind Deine Berufschancen weiterhin gut?

Allmählich berappeln sich viele Branchen wieder, die besonders unter den Einschränkungen gelitten haben wie der Tourismus, die Gastronomie und die Veranstaltungsbranche. Auch der Blick auf den allgemeinen Trend auf dem Arbeitsmarkt bestätigt: Die Zeichen stehen gut! Im April 2022 waren 17 % weniger Menschen arbeitslos gemeldet in Deutschland als im Vergleichsmonat des letzten Jahres. Auch Kurzarbeit ist fast kein Thema mehr: Im März 2022 arbeiteten nur noch 1,3 % der Beschäftigten mit reduzierter Stundenzahl. Was sich im Augenblick auf dem Arbeitsmarkt noch nicht widerspiegelt, sind die möglichen Auswirkungen der nach wie vor von Lieferengpässen mit Rohstoffen und Energie betroffenen Branchen der Industrie. Besonders für KMU kann die Mischung aus Materialknappheit und steigenden Preisen zum toxischen Mix werden.

In diesen Branchen bist Du mit Deinem IT-Abschluss heiß begehrt

Das Gesundheitswesen ist unsere wichtigste Stütze in der Pandemie. Als Informatiker:in kannst Du Dich hier einbringen und einen wertvollen Beitrag zur Genesung unserer Gesellschaft durch digitale Informationssysteme leisten. Wenn Du dafür sorgen kannst, dass Informationen schneller, verlässlicher und lückenloser den entscheidenden Bereichen zur Verfügung stehen, dann bist Du gefragt. Als IT-Talent kannst Du Smart Glasses mitentwickeln: Die Brillen unterstützen Sanitäter unter schwierigen Bedingungen z.B. im Kampfeinsatz. Der Algorithmus geht tausende Videos und Millionen Bilder durch, gleicht die Situation ab und gibt den Ersthelfenden Anweisungen, die über Leben oder Tod entscheidend sein können.

Die Logistikbranche ist durch die Exportbeschränkungen im Moment extrem gefordert – auch hier werden mit Hochdruck IT-Fachleute gesucht, zum Beispiel Fachleute für SAP oder die SCM-Software, die in Echtzeit funktionieren sollte.

Der Boom der IT- und Telekommunikationsbranche ist auch nach dem Höhepunkt der Corona-Pandemie ungebrochen. Denn neben privatem Multimedia-Entertainment sind remote Arbeitsplätze und Videokonferenzen nach Corona in vielen Unternehmen zum festen Bestandteil geworden. Das nach der Pandemie nicht vor der Pandemie ist, zeigt das Home-Office-Fiasko bei Apple: Nachdem der Tech-Gigant im Mai 2022 auf ein hybrides Modell mit 3 festen Bürotagen umstellte, hagelte es Kritik und sogar Kündigungen.

Jetzt steht vielerorts "Wirtschaft 4.0" auf der Roadmap, und Profis wie Du werden gebraucht, um viele Produktions- und Dienstleistungsprozesse zu digitalisieren und zu vernetzen. Wer entsprechende Lösungen und Dienstleistungen anbietet, hat auch Bedarf an IT-Consultants, die das Angebot und Kundschaft bringen. Bei alledem darf natürlich die IT-Sicherheit nicht vergessen werden. Als IT-Security Consultant wird Dir nicht so schnell langweilig werden in diesen Tagen, und Du darfst Dich bei entsprechender Berufserfahrung über hohe Gehälter freuen. Besonders Cloud-Spezialist:innen sind gefragter denn je. Denn für die digitale Transformation setzen die meisten Unternehmen auf Cloud-Lösungen.

Die Automobilindustrie steht ebenfalls vor großen Veränderungen: anspruchsvolle Verbraucher:innen, strikte Regularien und neue Antriebstechnologien. Gleichzeitig kämpft die Branche mit den Folgen von Störungen in der Lieferkette. Kurzzeitig werden in Deutschland Produktionen gestoppt, weil die benötigten Halbleiter fehlen.

Die große Automobilkonzerne wie Volkswagen, Audi und Co, die zwar von den aktuellen Einschränkungen betroffen sind, suchen derzeit verstärkt nach Talenten mit IT-Abschluss. Mit Kurzarbeit kommt Dein Berufszweig dort kaum in Berührung, im Gegenteil: Es gibt nun viel zu tun! Vor der Krise hatte VW angekündigt, eine IT-Einheit mit mehreren tausend Mitarbeitenden gründen zu wollen – trotz Personalabbau in traditionellen Positionen. Dieser Kurs soll trotz der unsicheren Gesamtwirtschaftslage fortgesetzt werden. Du siehst, der Bedarf an IT-Knowhow in der Autobranche ist höher denn je, nicht zuletzt wegen des immer größeren Bedeutung von Software und IT-Sicherheit, vor allem im Hinblick auf das Top-Thema autonomes Fahren. Damit die Personallücke nicht zum Roadblock wird, bist Du gefragt.

Im Vergleich blickt die Industrie weniger optimistisch in die Zukunft. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine drosselte deutsche Unternehmen ihre Produktion im März 2022 um 3,9 %. Einen stärkeren Einbruch gab es zuletzt im April 2020 am Anfang der Corona-Pandemie, so das Statistische Bundesamt. Nach wie erschweren Lieferengpässe das Abarbeiten von Aufträgen. Die Energiebranche hat dagegen mit sinkender Nachfrage aufgrund der stark gestiegenen Preise zu kämpfen. Dein IT-Talent ist bei den großen der Branche wie Robert Bosch, Siemens und Co. trotzdem gefragt. Bosch startete 2020 eine großangelegte Weiterbildungsoffensive und will bis Ende 2022 rund 20.000 Angestellte fit in KI machen.

Mobiles Arbeiten möglich machen

Physical Distancing war das Gebot der Stunde, um die Covid-19-Pandemie einzudämmen. Aber auch nach der Pandemie haben Unternehmen erkannt, dass viele Angestellte Remote Work, Home-Office oder Telearbeit schätzen und behalten diese Form des standortunabhängigen Arbeitens bei. Sobald Unternehmen, wie ein Großteil der nicht-produzierenden deutschen Firmen ihre Belegschaft wie 2020 ins Home-Office schickt, kommst Du als Informatiker:in ins Spiel.

Denn lange nicht jedes Unternehmen ist bestens auf den Krisenfall vorbereitet. Im Gegenteil – die Widerstände gegen Digitalisierung im Allgemeinen und einer digitalen (Cloud-)Infrastruktur für die Arbeit im Home-Office im Besonderen waren teilweise groß. Das gilt je nach Branche für kleine und mittelständische Unternehmen, die die Investition scheuen. Aber auch für Behörden, die sich durch wenig agile, bürokratische Prozesse gerne selbst blockieren. Der starke Fokus auf IT-Security und Datenschutz und alle damit einhergehenden Reglementierungen ließen Digitalisierung für viele wie einen Störfaktor für die gewohnten Unternehmensabläufe wirken, das also lieber erstmal auf die lange Bank geschoben wurde. Ebenso die Einführung einer Kollaborationssoftware: Man malte sich aus, welchen Mindset-Change das von jedem einzelnen Mitarbeitenden – angefangen bei den Vorgesetzten – erfordern würde und hielt den Zeitpunkt dafür als noch nicht gekommen. Zusätzlich wurde das Thema Home-Office vielerorts sehr kritisch bewertet: “Wer arbeitet denn schon ordentlich von zuhause aus?” Das trauten viele Unternehmen ihren Mitarbeitenden einfach nicht zu. Es muss aber nicht nur an fehlendem Vertrauen liegen, sondern kann auch ganz praktische, organisationale Gründe haben. Oder das Unternehmen lebt von einer Arbeitskultur mit viel informellem Austausch unter allen Teammitgliedern, um bereichsübergreifend neue Ideen zu entwickeln. Diese Dynamik unter Remote-Work-Bedingungen aufrechtzuerhalten, war und ist ebenfalls eine Herausforderung.

Die Feststellung, dass das viel besser klappt als befürchtet, zieht sich wie ein Raunen durch die Wirtschaftswelt und hat die Kraft, Traditionen mal wirklich in Frage zu stellen. Für Dich als IT-Talent ergeben sich daraus mitten in der Wirtschaftskrise weiterhin gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.

Es werden immer noch IT-Talente gesucht, die die digitale Infrastruktur im Handumdrehen auf Zukunft ausrichten: Viele Unternehmen brauchen jetzt (KI-)Entwickler, Cloud-Expertinnen und Data Scientists. Bist du auf IT Administration spezialisiert, bist Du ebenfalls gefragt; die virtuelle Infrastruktur muss schließlich laufen. Zur Grundausstattung gehören ein PC mit gesicherter VPN-Verbindung und der Unternehmenssoftware sowie den gängigen Programmen (für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation usw). Auch Kollaborationstools wie ein Chat-Programm und ein CMS müssen von zuhause laufen. Gut, wenn Du Dich hier mit Cloud-Technologien und Software-as-a-Service (SaaS) schon auskennst.


Gut zu wissen


Bei get in IT werden pro Monat rund 10.000 Anfragen von Unternehmen an die registrierten User:innen verschickt. Es gibt also viele Unternehmen, die aktiv nach IT-Talenten suchen!

Bewerben in der Wirtschaftskrise

Im Augenblick ist die wirtschaftlich angespannte Lage noch nicht auf dem Arbeitsmarkt zu spüren – im Gegenteil. Mit Deinem IT-Knowhow gehörst Du zu denjenigen, die dringend gesucht werden. Ist Dein Traumjob in einer Branche, wie z.B. im Energiesektor, der gerade einer unsicheren Zukunft entgegen blickt, kann ein Anruf in der Personalabteilung des Unternehmen, für das Du Dich interessierst, Fragezeichen schnell aus dem Weg räumen. Also nimm lieber kurz den Hörer in die Hand und frag nach, ehe Du anfängst, Dich zu bewerben. Der positive Nebeneffekt ist, dass Du Dich im Anschreiben oder der Mail auf Euer Telefonat beziehen kannst und im Idealfall den Namen des richtigen Ansprechpartners kennst. Dadurch bist Du direkt einen Schritt näher an Deinem Vorstellungsgespräch.

Klar, der ganze Bewerbungsprozess läuft bei vielen Unternehmen immer noch anders ab als noch vor der Corona-Pandemie. Deine neuen Team-Mitglieder und den Chef wirst Du wahrscheinlich erstmal virtuell kennenlernen. Die virtuelle Konferenzschalte ist ungewohnt und nicht jeder fühlt sich in dieser Situation wohl. In den meisten Unternehmen ist diese Art der Kommunikation allerdings inzwischen zum Normalfall geworden. Wir bei get in IT haben uns ebenfalls daran gewöhnt – es ist halb so wild! Aber die face-to-face Kommunikation kann der Videochat natürlich nicht ersetzen!

Hat ein Unternehmen sich für Dich entschieden, kann es durchaus sein, dass Du einige aus deinem neuen Team persönlich im Büro kennenlernst. Wenn auch nicht mit Handshake, aber doch zumindest mit einem gewinnenden Lächeln und einführenden Worten. Je nachdem, wie das Unternehmen aufgestellt ist und wie groß das Office ist, wird die erste Phase Deiner Einarbeitung vor Ort stattfinden – natürlich mit ausreichend Abstand. Die wenigsten Unternehmen wollen riskieren, dass reihenweise Kolleg:innen wegen Covid ausfallen. Wahrscheinlich wird Dir für alle Fälle die notwendige Hardware zur Verfügung gestellt, damit Du auch von zuhause aus arbeiten kannst. Von der Arbeitsatmosphäre wie sie vor der Pandemie war, wirst Du Dir wahrscheinlich kein Bild machen können, denn viele Deiner neuen Kolleg:innen werden auch weiterhin viel im Home-Office arbeiten. Für den informellen Austausch im Team sorgen Slack, Teams und Co. und im Sommer werden vielen Unternehme auch wieder Sommerfeste veranstalten. Spätestens dann hast Du die Gelegenheit mit Deinen neuen Kollegen in real anzustoßen.

Alles wird gut! Und digital

Niemand kann 100%-ig vorhersagen, ob wir Corona hinter uns gelassen haben und wie sich die aktuelle wirtschaftliche Lage entwickeln werden. Immer wieder gibt es Corona-Ausbrüche, die z.B. in China für erneute Produktionsstopps sorgen – die wiederum bei uns zu Verzögerungen in der Fertigung führen.

Trotzdem sieht es für Dich als IT-Talent im Vergleich zu vielen anderen Berufsfeldern gut aus. Viele Unternehmen haben quasi im Eiltempo begriffen, wie überlebenswichtig und zukunftsweisend Digitalisierung sein kann, völlig unabhängig von der eigenen Branche. Deshalb wirst Du nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft als Informatiker:in sehr gute Berufschancen haben.

Unternehmen machen sich ihrerseits eher Sorgen, in Zukunft noch schwieriger IT-Talente zu finden, als es schon vor Covid-19 der Fall war. Und tatsächlich blieben 2021 in der IT 96.000 Stellen unbesetzt. Angesichts der vielen neu entstehenden Berufsfeldern und Jobs im IT-Sektor könnte diese Zahl noch weiter steigen. Im Umkehrschluss heißt das für Dich: Bleib cool, bleib flexibel und offen für neue Einsatzbereiche und versuch’ Dein Glück!

Btw: Auch abseits vom Berufsleben kannst Du in einer Krise wie dieser Deine IT-Skills für die Gesellschaft einsetzen.
tl;dr:
  • Die Corona-Pandemie hat den teilweise miserablen Digitalisierungszustand deutscher Unternehmen offengelegt. Hier gibt es nach wie vor sehr viel zu tun!
  • Die Wichtigkeit von Informatiker:innen, die die notwendige Infrastruktur bereitstellen und weiterentwickeln, ist während und voraussichtlich auch nach der Krise größer denn je.
  • Besonders in der IT- und Telekommunikationsbranche, bei Tech-Startups und großen Playern mit einem soliden Standing hast Du weiterhin gute Chancen, wenn Du aktuell auf Jobsuche bist.
 

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