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IT-Berufsstart in Zeiten der Wirtschaftskrise

Digitalize or die: Welche Auswirkungen hat Corona auf den IT-Arbeitsmarkt?

Von Bylle Bauer

 

 

Deutschland hat in den letzten Monaten durch die Lockerungen der Corona-Maßnahmen einen Schritt zurück zur (Nach-Corona-) Normalität getan. Jetzt ist die zweite Welle da und strenge Maßnahmen werden immer wahrscheinlicher! Die deutsche Wirtschaft ist stark beeinträchtig. Wirtschaftsexperten prognostizieren eine weltweit einmalige Rezession. Viele Unternehmen bleiben in Kurzarbeit und überdenken ihre komplette Personalentwicklungsstrategie bis zum Ende des Jahres. Übermäßigen Grund zur Sorge hast Du als IT’ler aber nicht. Selbst wenn ein Unternehmen Insolvenz anmelden muss, finden viele davon betroffene Informatiker schneller als andere einen neuen Job, denn IT-Skills sind begehrter denn je!

So wie es aktuell aussieht, bleibt das auch so, wenn wir die Corona-Krise überwunden haben. Denn die aktuelle Situation wirkt wie ein Beschleunigungsprogramm für die Digitalisierung. Das macht vor allem Spezialisten für IT-Infrastruktur begehrt. Lass uns mal anschauen, in welchen Bereichen und Branchen Du auch jetzt durchstarten kannst und worauf es dabei ankommt.

Hinweis: Natürlich ist es schwierig, momentan 100 % verlässliche Aussagen zu treffen – wir alle erleben so eine globale Pandemie zum ersten Mal. Unser Artikel beruht daher auf Prognosen, wie es weitergehen könnte (Stand Oktober 2020) und wird regelmäßig aktualisiert.

Nicht jede Branche ist gleich betroffen: Wo sind Deine Berufschancen weiterhin gut?

Es wäre einseitig, zu behaupten, dass Du als IT’ler momentan in jeder Branche beste Chancen hast. Viele Wirtschaftsfelder und kulturelle Einrichtungen wurden von den Maßnahmen im Frühjahr hart getroffen. Allen voran der Tourismus, aber auch Konzertveranstalter und die Gastronomie haben das Nachsehen. Doch auch das produzierende Gewerbe hat es mit einem Minus von 3,1 % Beschäftigten im Vergleich zum August hierzulande schwer erwischt.

In diesen Branchen sind IT’ler heiß begehrt

Das Gesundheitswesen ist unsere wichtigste Stütze in der Pandemie. Als Informatiker kannst Du Dich hier einbringen und einen wertvollen Beitrag zur Genesung unserer Gesellschaft durch digitale Informationssysteme leisten. Wenn Du dafür sorgen kannst, dass Informationen schneller, verlässlicher und lückenloser den entscheidenden Bereichen zur Verfügung stehen, dann bist Du gefragt.

Die Logistikbranche ist durch die Exportbeschränkungen im Moment extrem gefordert – auch hier werden mit Hochdruck IT’ler gesucht, zum Beispiel Experten für SAP oder die SCM-Software, die in Echtzeit funktionieren sollte.

Generell sind Tech-Startups interessant, die innovative Ideen zur Bekämpfung der Krise vorweisen können. Dafür gibt es ein Förderprogramm vom Europäischen Innovationsrat, das mit dreistelligen Millionenbeträgen vielversprechende Entwicklungen unterstützt. Schau doch mal, wer da so am Markt ist und ob dort nicht Bedarf an einem findigen Entwickler besteht!

Für viele Menschen stellt das Internet gerade den einzigen Zugang zur “Welt da draußen” dar, und die Software-Anbieter verstärken ihre Bemühungen, ihren Nutzern diesen zu versüßen. Da sind zum Beispiel Anwendungsentwickler, IT-Produktmanager oder Webentwickler gefragt.

Die IT- und Telekommunikationsbranche erlebt den größten Boom, denn neben privatem Multimedia-Entertainment sind remote Arbeitsplätze und Videokonferenzen heute wichtiger denn je. Jetzt steht vielerorts "Wirtschaft 4.0" auf der Roadmap, und Profis wie Du werden gebraucht, um viele Produktions- und Dienstleistungsprozesse zu digitalisieren und zu vernetzen. Anbieter entsprechender Lösungen und Dienstleistungen haben Bedarf, auch an IT-Consultants, die das Angebot zu den Kunden bringen. Bei alledem darf natürlich die IT-Sicherheit nicht vergessen werden. Als IT-Security Consultant wird Dir nicht so schnell langweilig werden in diesen Tagen, und Du darfst Dich bei entsprechender Berufserfahrung über hohe Gehälter freuen.

Auch große Automobilhersteller wie Volkswagen, die zwar von den Corona-Einschränkungen betroffen sind, aber dennoch gut dastehen, suchen derzeit verstärkt nach IT’lern. Mit Kurzarbeit kommt Dein Berufszweig dort kaum in Berührung, im Gegenteil: Es gibt nun viel zu tun! Vor der Krise hatte der Konzern bereits angekündigt, eine IT-Einheit mit mehreren tausend Mitarbeitern gründen zu wollen – trotz Personalabbau in traditionellen Positionen. Dieser Kurs soll trotz der unsicheren Gesamtwirtschaftslage fortgesetzt werden.

Mobiles Arbeiten möglich machen

Physical Distancing ist das Gebot der Stunde, um die Covid-19-Pandemie einzudämmen und eine zweite Welle zu verhindern. Das gilt nicht nur für uns als Privatpersonen, sondern liegt genauso in der Verantwortung der Arbeitgeber. Um nun weiter zu funktionieren und zu existieren, ist für einen Großteil der nicht-produzierenden deutschen Unternehmen Homeoffice die einzige Option. Und hier kommst Du als IT’ler ins Spiel.

Denn lange nicht jedes Unternehmen ist bestens auf den Krisenfall vorbereitet. Im Gegenteil – die Widerstände gegen Digitalisierung im Allgemeinen und einer digitalen (Cloud-)Infrastruktur für die Arbeit im Homeoffice im Besonderen waren teilweise groß. Das gilt je nach Branche für kleine und mittelständische Unternehmen, die die Investition scheuen. Aber auch für Behörden, die sich durch wenig agile, bürokratische Prozesse gerne selbst blockieren. Der starke Fokus auf IT-Security und Datenschutz und alle damit einhergehenden Reglementierungen ließen Digitalisierung für viele wie einen Störfaktor für die gewohnten Unternehmensabläufe wirken, das also lieber erstmal auf die lange Bank geschoben wurde. Ebenso die Einführung einer Kollaborationssoftware: Man malte sich aus, welchen Mindset-Change das von jedem einzelnen Mitarbeiter – angefangen bei den Vorgesetzten – erfordern würde und hielt den Zeitpunkt dafür als noch nicht gekommen. Zusätzlich wurde das Thema Homeoffice vielerorts sehr kritisch bewertet: “Wer arbeitet denn schon ordentlich von zuhause aus?” Das trauten viele Unternehmen ihren Mitarbeiter:innen einfach nicht zu. Es muss aber nicht nur an fehlendem Vertrauen liegen, sondern kann auch ganz praktische, organisationale Gründe haben. Oder das Unternehmen lebt von einer Arbeitskultur mit viel informellem Austausch unter allen Teammitgliedern, um bereichsübergreifend neue Ideen zu entwickeln. Diese Dynamik unter Remote-Work-Bedingungen aufrechtzuerhalten, ist ebenfalls eine Herausforderung.

Jetzt jedoch sind Laptop, Smartphone, Headset und ein VPN die einzigen zur Verfügung stehenden Mittel und das Vertrauen in die Disziplin und Professionalität der Angestellten muss unternehmensseitig einfach wachsen. Die Feststellung, dass das viel besser klappt als befürchtet, zieht sich wie ein Raunen durch die Wirtschaftswelt und hat die Kraft, Traditionen mal wirklich in Frage zu stellen. Für Dich als IT’ler ergeben sich daraus mitten in der Wirtschaftskrise weiterhin gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.

Es werden IT-Talente gesucht, die die digitale Infrastruktur im Handumdrehen auf Zukunft ausrichten: Viele Unternehmen brauchen jetzt (KI-)Entwickler, Cloud-Experten und Data Scientists. Als IT Administrator bist Du ebenfalls gefragt; die virtuelle Infrastruktur muss schließlich laufen. Zur Grundausstattung gehören ein PC mit gesicherter VPN-Verbindung und der Unternehmenssoftware sowie den gängigen Programmen (für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation usw). Auch Kollaborationstools wie ein Chat-Programm und ein CMS müssen von zuhause laufen. Gut, wenn Du Dich hier mit Cloud-Technologien und Software-as-a-Service (SaaS) schon auskennst.


Gut zu wissen


Bei get in IT werden pro Monat immer noch gut 1.000 Anfragen von Unternehmen an die registrierten User verschickt. Es gibt also viele Unternehmen, die weiterhin einstellen und aktiv nach IT-Talenten suchen!

Bewerben in der Wirtschaftskrise

Wenn Du gerade mitten in der Bewerbungsphase steckst, möchtest Du natürlich keinen Aufwand für eine Stelle betreiben, die momentan vielleicht gar nicht mehr besetzt werden kann. Viele Unternehmen hatten vor der Krise eine Anzeige geschaltet, wollen sich aber nun erstmal zurückhalten, bis die Situation besser einzuschätzen ist. Ein Anruf in der Personalabteilung des Arbeitgebers, für den Du Dich interessierst, kann Fragezeichen schnell aus dem Weg räumen. Also nimm lieber kurz den Hörer in die Hand und frag nach, ehe Du anfängst, Dich zu bewerben. Der positive Nebeneffekt ist, dass Du Dich im Anschreiben oder der Mail auf Euer Telefonat beziehen kannst und im Idealfall den Namen des richtigen Ansprechpartners kennst. Dadurch bist Du direkt einen Schritt näher an Deinem Vorstellungsgespräch.

Klar, der ganze Bewerbungsprozess wird momentan ein wenig anders ablaufen als üblich. Deinen neuen Arbeitgeber wirst Du wahrscheinlich erstmal virtuell kennenlernen. Die virtuelle Konferenzschalte ist ungewohnt und nicht jeder fühlt sich in dieser Situation wohl. In den meisten Unternehmen ist diese Art der Kommunikation allerdings gerade der Normalfall. Wir bei get in IT haben uns in den letzten Wochen ebenfalls daran gewöhnt – es ist halb so wild! Aber die face-to-face Kommunikation kann der Videochat natürlich nicht ersetzen und deswegen kehrer wir wieder ins Büro zurück!

Hat ein Unternehmen sich für Dich entschieden, kann es durchaus sein, dass Du den ein oder anderen Kollegen persönlich im Büro kennenlernst. Wenn auch nicht mit Handshake, aber doch zumindest mit einem gewinnenden Lächeln und einführenden Worten. Außerdem muss Dir die Hardware zur Verfügung gestellt und eingerichtet werden, um Deinen neuen Job von zuhause aus anzutreten. Von der Arbeitsatmosphäre wirst Du Dir kein direktes Bild machen können, wenn Deine neuen Kollegen alle im Homeoffice sind. Auch die Räumlichkeiten wirst Du vielleicht erst später sehen. Aber hey, wann hat man schon die Chance, voll und ganz mit Fokus auf die neue Tätigkeit zu beginnen? Und für den informellen Austausch unter den Kollegen und virtuelles Teambuilding ist in vielen Unternehmen mittlerweile ebenfalls gesorgt.

Alles wird gut! Und digital

Niemand kann seriös vorhersagen, wann wir die aktuelle Krise überwunden haben, die sich in so vielen Dimensionen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt auswirkt. Trotzdem sieht es für Dich als IT’ler im Vergleich zu vielen anderen Berufsfeldern gut aus. Viele Unternehmen haben quasi im Eiltempo begriffen, wie überlebenswichtig und zukunftsweisend Digitalisierung sein kann, völlig unabhängig von der eigenen Branche. Deshalb wirst Du nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft als Informatiker sehr gute Berufschancen haben.

Unternehmen machen sich ihrerseits eher Sorgen, in Zukunft noch schwieriger IT-Talente zu finden, als es schon vor Covid-19 der Fall war. Ende 2019 waren mehr als 120.000 IT-Stellen unbesetzt. Nun wird befürchtet, dass diese Zahl sich mit den vielen neu entstehenden Berufsfeldern und Jobs im IT-Sektor bedeutend erhöht. Im Umkehrschluss heißt das für Dich: Bleib cool, bleib flexibel und offen für neue Einsatzbereiche und versuch Dein Glück!

Btw: Auch abseits vom Berufsleben kannst Du in einer Krise wie dieser Deine IT-Skills für die Gesellschaft einsetzen.
tl;dr:
  • Die Corona-Pandemie hat den teilweise miserablen Digitalisierungszustand deutscher Unternehmen offengelegt. Hier ist noch viel zu tun.
  • Die Wichtigkeit von Informatikern, die die notwendige Infrastruktur bereitstellen und weiterentwickeln, ist während und voraussichtlich auch nach der Krise größer denn je.
  • Besonders in der IT- und Telekommunikationsbranche, bei Tech-Startups und großen Playern mit einem soliden Standing hast Du weiterhin gute Chancen, wenn Du aktuell auf Jobsuche bist.
 

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