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Was macht ein UX-Researcher?

Alles für die User:innen

Jenny Tiesler
Personen kleben bunte Post-Its auf einen auf einem Tisch ausgebreiteten Arbeitsbereich.

Von der Banking-App bis zur Selbstscan-Kasse im Supermarkt – in unserem Alltag gibt es immer mehr digitale Touchpoints. Mit dieser Entwicklung hat sich auch das Berufsfeld rund um User Experience in den vergangenen Jahren immer stärker ausdifferenziert. Hast Du als UX-Designer:in oft auch das User Interface gestaltet und im Vorfeld Interviews mit den Nutzenden Eures Produktes geführt, gibt es in größeren Unternehmen inzwischen immer häufiger ganze UX-Teams mit unterschiedlichen Schwerpunkten: vom UX-Consulting über UX-Writing bis zum UX-Research samt hauseigenem Research-Lab.

Als User Experience Researcher kümmerst Du Dich weniger um konkrete Designfragen, sondern Du sammelst Daten. Dein Forschungsfeld sind die User:innen selbst und eine Deiner zentralen Forschungsfragen lautet: „Wie erleben User:innen ein (digitales) Produkt?“ Um das herauszufinden, nutzen UX-Researcher ein buntes Potpourri an verschiedenen Forschungsmethoden. Welche das sind und welche Skills Du mitbringen musst, um die digitale Erlebniswelt zu optimieren, das schauen wir uns jetzt gemeinsam an.

Was sind Deine Aufgaben als UX-Researcher?

Bevor Deine Dev-Kolleg:innen loslegen und die erste Zeilen Code schreiben, muss neben allen technischen Details, klar sein, wer die User:innen sind, welche Kenntnisse oder Vorwissen sie mitbringen und welches Ziel sie mit der Anwendung oder dem Produkt erreichen wollen.

Defintion UX-Research

User Experience Research, kurz UX-Research oder UXR, ist eine noch junge Disziplin im User-Experience-Umfeld, in der Du mit unterschiedlichen Forschungsmethoden und Beobachtungstechniken, Erkenntnisse über das Verhalten, die Bedürfnisse und die Probleme von Nutzer:innen gewinnst. Die Ergebnisse dienen im Entwicklungsprozess als Grundlage für datengestützte Entscheidungen. Andere Berufsbezeichnungen sind auch UX-Consultant oder UX-Strategist. Je nach Unternehmensgröße überschneiden sich die Prozesse und die einzelnen Rollen im UX-Bereich. Als UX-Forscher:in oder digitale Strateg:in übernimmst Du auch Beratungs- oder Designaufgaben.

Vor allem die agile Arbeitsweise im Software Development hat in den kurzen Entwicklungszyklen keine Zeit, um auf Ergebnisse von repräsentativen, großangelegten Marktforschungsstudien zu warten, die mehrere Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Hier kommst Du als UX-Researcher ins Spiel: Du lieferst alle Informationen, die das Dev-Team braucht und versorgst sie mit dem Feedback der User:innen und das zeitnah. Denn nur so können Deine Kolleg:innen das Ziel ihres Sprints erreichen. In Abgrenzung zur Marktforschung, die z.B. Fragen klärt, ob die Kund:innen grundsätzlich eine App möchten, liegen bei Dir als UX-Researcher produktnahe Fragen, die unmittelbar die Entwicklung betreffen wie “Welche Features bietet die App?” oder “Welche Use Cases gibt es?”. User Experience Research ist also eine entwicklungsbegleitende Forschung, während die Marktforschung eher Antworten auf strategische Fragen liefert.

Als UX-Forschende:r lieferst Du wichtige Infos für die nutzungszentrierte Entwicklung von Hardware und Software. Durch die gezielte Datenerhebung zu den Wünschen, Needs und potenziellen Barrieren der Usergroup, entstehen langfristig erfolgreiche Produkte. Wie genau die UX-Forschenden vorgehen, das schauen wir uns jetzt an.

1. Wissen generieren: Wie ticken die User:innen?

Als UX-Researcher kitzelst Du die Bedürfnisse der unterschiedlichen Nutzer:innen heraus. Je nach Projekt und Status kann es sein, dass Du Feldforschung betreibst und in Studien echte Menschen in ihrer natürlichen Umgebung in der Interaktion mit einer App oder einem physischen Bedienelement beobachtest. Aus Deinen Beobachtungen der Feldstudie leitest Du Hypothesen ab und Deine Ergebnisse bilden die Basis für erste Prototypen. Arbeitet das Team nach Design-Thinking-Methoden, steht Deine Arbeit am Anfang des Prozesses. Du testest aber auch bereits entwickelte digitale Produkte oder Services auf ihre Nutzungsfreundlichkeit und eruierst Verbesserungsmöglichkeiten.

Dabei begleiten Dich Fragen zu den Lebensumständen Deiner Zielgruppe. Was sind ihre Wünsche? Wo liegen Pain Points und wo kann Dein digitales Produkt den Alltag der Zielgruppe besser, leichter oder angenehmer machen? Du findest als Requirments Engineer heraus, welche Bedürfnisse es an welchen Touchpoints gibt. Dabei hast Du die technischen Rahmenbedingungen und die Anforderungen der Stakeholder im Hinterkopf.

Im Kickoff-Meeting holst Du Dir von allen Beteiligten Hintergrundinfos z.B. an welcher Stelle hat der jeweilige Fachbereich Forschungsbedarf? Zu welchen Fragen wünscht er sich Antworten? Will die Marketing-Abteilung wissen, warum sich User:innen registrieren, aber anschließend ihr Profil nicht ausreichend ausfüllen? Oder sie benötigt mehr Einblicke in die Zielgruppe, um Targetings der Kampagnen zu optimieren. Auch ein Design- oder Navigationselement kann Forschungsgegenstand sein.

Erst wenn diese Fragen gemeinsam mit dem Stakeholder präzise formuliert sind, werden die Ärmel in der UX-Forschung hochgekrempelt und konzipiert, welche Methoden angewendet werden. Du entwirfst passende Gesprächsleitfäden, denn je nachdem, wann eine Frage platziert wird, kann die Antwort durchaus unterschiedlich ausfallen.

Dein Tool-Set:

  • Auswahl der geeigneten Forschungsmethoden
  • Erstellen von Testplänen
  • Aufbau und Konzeption von User Tests, Gesprächsleitfäden und Fragebögen
  • Durchführung von qualitativen und quantitativen User Tests (und deren Auswertung)
  • Durchführen von User Interviews (+ Auswertung)
  • Usability-Studien

„What people say“ vs. „What people do“ – User:innen tun nicht immer, was sie sagen, dass sie tun

In der UX-Forschung entwickelst Du ein Gespür für die richtige Methode. Dabei bist Du Dir bewusst, dass nicht nur Deine User:innen, sondern auch Du gewissen kognitiven Bias unterliegst. Diversität im UX-Team kann kognitiven Verzerrungen entgegenwirken. Aber auch Dein psychologisches Backgroundwissen hilft Dir, Framing zu vermeiden. Schließlich willst Du möglichst „objektive“ Erkenntnisse sammeln. Das bedeutet, dass Du Deine persönliche Voreingenommenheit so gut es geht außen vorlässt, wenn Du ins Testing gehst. Gefällt Dir persönlich ein Teil der neuen App nicht, musst Du trotzdem möglichst objektiv bleiben, um Framing-Effekte zu verhindern. Eine saubere Dokumentation, detaillierte Skizzen oder Videoaufzeichnungen vermeiden z.B. den sogenannten Primacy-Recency-Effekt. Damit wird ein psychologisches Gedächtnisphänomen bezeichnet, bei dem Informationen am besten in Erinnerung bleiben, die am Anfang oder am Ende der Informationsreihe stehen – Du Dich also an das erste oder letzte Interview besonders gut erinnerst. Heatmaps, Opacity Maps oder Gazeplots, die den gesamten Blickverlauf visualisieren, ergänzen den klassischen Usability-Test mit objektiven Daten.

2. Wissen weitergeben: Sei die Stimme der User:innen

Damit Deine wertvollen Erkenntnisse ihren Weg zu den richtigen Personen und zur Umsetzung finden, wirst Du zum Storyteller.

In engem Austausch mit Product Ownern, dem Dev-Team und anderen Fachbereichen bist Du die Stimme der User:innen. Du bringst nicht nur Daten und Fakten, sondern auch die Geschichten mit, um die Entwicklungsentscheidungen menschenzentriert zu gestalten. Deine Kommunikationsstärke wird dabei zum Schlüssel, um komplexe Erkenntnisse verständlich und praxisnah z.B. in Workshops zu vermitteln.

Mit Deinem Fundus an Erkenntnissen navigierst Du souverän durch Meetings und Präsentationen, um sicherzustellen, dass alle im Team die Bedürfnisse der User:innen verstehen. Dein Ziel ist es, die Erkenntnis-Schätze nicht nur zu bergen, sondern auch so zu präsentieren, dass sie den Entwicklungsprozess beeinflussen – zum Vorteil der User:innen.

Deine Fähigkeit, Informationen verständlich zu vermitteln, macht Dich zum Sherlock Holmes mit Erzählqualitäten. Denn letztendlich sind es die Geschichten der User:innen, die die Entwicklung von Produkten vorantreiben und die digitale Welt nutzungsfreundlicher gestalten. Für Deine Überzeugungsarbeit setzt Du auch Wireframes mit Sketch, Figma oder Axure um, auch wenn die Aufgaben des UX-Designs nicht primär in Deine Domäne fallen.

Der UX-Research-Prozess ist zyklisch und iterativ. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen kontinuierlich in die Produktentwicklung ein, um sicherzustellen, dass das Endprodukt den Bedürfnissen und Erwartungen der Benutzer:innen gerecht wird.

Schaubild zum UX-Research-Prozess

Wo kannst Du als UX-Forscher:in arbeiten?

Überall dort, wo es Touchpoints für Nutzer:innen gibt. Ob Ticketautomat im öffentlichen Nahverkehr, kassenloser Supermarkt oder Bedienelemente im Auto. UX-Forscher:innen sind in der IT-Branche gefragt, wenn es um Apps und Software geht. Im E-Commerce gestalten sie das Online-Shopping so, dass es ein müheloses Vergnügen wird, dort einzukaufen. In der Automobilbranche nutzen UX-Forschende VR-Technologien, um Cockpit-Designs zu perfektionieren. Telekommunikationsunternehmen verlassen sich auf die UX-Research-Erkenntnisse, um digitale Dienste nahtlos zu gestalten. Aber auch im Bildungsbereich (e-Learning), der Touristik (Reisebuchung-Plattformen) und dem öffentlichen Sektor gibt es vielfältige Einsatzbereiche für UX-Researcher.

Worauf kannst Du Dich spezialisieren?

Mit Deinem Fokus auf UX-Research hast Du Dich bereits spezialisiert, und zwar als Expert:in für die Bedürfnisse der Nutzenden. Je nach Branche tauchst Du tief in die regulatorischen Anforderungen des Usability-Engineering-Prozesses ein. Sei es für Medizinprodukte oder digitale Produkte in der Finanzwelt – du berätst Hersteller von Diabetespumpen genauso wie Entwicklungsteams von Trading-Apps. Deine Spezialisierung ist der Schlüssel, um Produkte zu verbessern und die digitale Welt nutzungsfreundlicher zu gestalten. Je nach Unternehmensgröße kann Deine Rolle eher strategisch oder beratend ausgelegt sein.

Bist Du ein UX-Researcher?

Das gesamte Berufsfeld rund um UX ist noch relativ jung. Daher haben die meisten UX’ler:innen auch keinen expliziten User-Experience-Hintergrund, sondern kommen aus angrenzenden Bereichen wie der Psychologie, dem Online-Marketing, aus dem Grafik- und Webdesign oder der IT. Inzwischen gibt es einige Unis und Hochschulen, die UX-Studiengänge, Usability Engineering oder Schwerpunkte wie Design Thinking anbieten. Wenn Du Dich jetzt mit Deinem Informatik- oder Medieninformatik-Studium fragst, ob Deine Berufung in der Verbesserung der User:innen-Welt liegt, dann check, ob Du ein paar der folgenden Eigenschaften mitbringst:

  • Neugier und Aufgeschlossenheit für Produkte und Menschen
  • Empathie und interkulturelle Fähigkeiten, um die Vielfalt der Usergroup zu verstehen.
  • Kommunikationsstärke, um alle Stakeholder abzuholen
  • Kreativität für die Suche nach innovativen Lösungen
  • Sorgfältige und strukturierte Arbeitsweise, damit die Ergebnisse sauber dokumentiert sind
  • Konzeptionelles, analytisches, lösungsorientiertes Denken, um aus den gesammelten Daten klare Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Wenn du hier nickend sitzt, dann herzlich willkommen im Club der UX-Researcher!

Dein Skill Set in der UX-Forschung

Du solltest grundlegende Marktforschungsmethoden draufhaben, besonders qualitative Forschungsmethoden. Ebenso wie Grundlagen in der Wahrnehmungspsychologie und der kognitiven Psychologie, damit Du verstehst, warum Menschen so wahrnehmen, wie sie wahrnehmen. Für quantitative Methoden musst Du ein gewisses Maß an Statistikwissen mitbringen und mit Daten jonglieren können, ohne den Überblick zu verlieren.

Außerdem bist Du experimentierfreudig und flexibel. Das dynamische Entwicklungsumfeld mit kurzen Sprints fordert Dein Improvisationstalent: Du musst Dich schnell auf neue Anforderungen einstellen können, wenn das MVP doch noch nicht fertig ist oder anders geworden ist, als Dir angekündigt wurde. Als UX-Forscher:in arbeitest du extrem operativ auf feingranularer Ebene und bist selbst die Agilität in Person.

Was kannst Du als UX-Reseacher verdienen?

Wie in vielen anderen Berufen hängt das Gehalt eines UX-Researchers von verschiedenen Faktoren ab. Dein Abschluss, der Standort, die Branche und deine Berufserfahrung beeinflussen maßgeblich Dein Einkommen in diesem spannenden Feld. Beim Einstieg in das Berufsfeld UX/UI liegt Dein Jahresgehalt in der Regel zwischen 40.800 und 47.000 Euro. Mit zunehmender Erfahrung steigt natürlich auch Dein Einkommen. Erfahrene UX-Researcher können mit Jahresgehältern von 70.000 bis über 85.000 Euro rechnen. Neben dem Spezialisierungsgrad spielt auch der Standort eine entscheidende Rolle in der Gehaltslandschaft. Wenn Du es genauer wissen möchtest, probiere doch unseren Gehaltsrechner aus. Mit diesem Tool kannst du individuelle Daten eingeben und dir eine präzise Vorstellung von Deinem potenziellen Einkommen im Berufsfeld UX machen.

Finde heraus, wie viel Du in der IT-Welt verdienen kannst.

Gehalt ausrechnen
TL;DR:
  • Als UX-Researcher erforschst Du, wie Nutzende digitale Produkte und Services erleben – und das als Grundlage für die anschließende Produktentwicklung oder aus dem laufenden Entwicklungsprozess heraus.
  • Du erstellst Testpläne, Gesprächsleitfäden und Fragebögen. Du führst qualitative und quantitative User Tests durch, analysierst die Ergebnisse und interpretierst, was sie für die Produktentwicklung bedeuten.
  • Deine Kommunikationsstärke und Deine Sherlock-Homes-Mentalität sind Deine Superpower, um komplexe Erkenntnisse verständlich und praxisnah zu vermitteln.
  • Als UX-Forscher:in ist es Deine Mission, die Nutzungserfahrung in der Mensch-Maschine-Interaktion in ganz unterschiedlichen Branchen zu verbessern.