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Wo sind die Frauen in der IT?

Sie schufen Grundlagen in der IT – heute braucht die Tech-Branche sie mehr denn je

Von Deborah Liebig

 

 
Ein Hörsaal voller Männer. Das ist in der Informatik kein seltener Anblick. Hier ist nur jede fünfte Studierende weiblich, bei den IT-Auszubildenden sind es sogar nur 7 %.
Auch wenn diese aktuellen Zahlen etwas anderes behaupten: Frauen und IT gehören zusammen wie 1 und 0. Software-Pionierinnen wie Margaret Hamilton machten die Landung auf dem Mond mit ihrem Code überhaupt erst möglich und ohne die Netzwerkarchitektur von Radia Perlman, würden wir heute nicht mühelos Daten durchs Internet oder in die Cloud schicken. Trotz dieser großartigen Role Models sind Frauen in der IT unterrepräsentiert und in Führungspositionen mit der Lupe zu suchen. Aber das soll sich in Zukunft ändern. Dafür sorgen neben Initiativen wie #shetransformIT, Organisationen und Netzwerke inzwischen auch Jobmessen, die sich speziell an Frauen mit Tech-Background richten.


Wir wollen wissen, welchen Herausforderungen sich Frauen in der IT-Welt stellen und welche Möglichkeiten die Tech-Branche den neuen "IT-Girls" bietet.

Der Status Quo auf dem IT-Arbeitsmarkt:

Gerade mal 19 Prozent Frauen arbeiten 2021 in einem IT-Beruf. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich im hinteren Mittelfeld. Europäischer Spitzenreiter ist Bulgarien.

Ranking des durchschnittlichen Frauenanteils in IT-Berufen im Ländervergleich

Quelle: ec.europa.eu redaktionell bearbeitet durch get in IT

Wir finden, bei uns geht mehr! Schließlich bietet die IT nicht nur sehr unterschiedliche Berufsprofile – von der App-Entwicklung bis zum UX-Design, sie ist die Zukunftsbranche par excellence. Ihr stetiges Wachstum seit den 90er-Jahren ist ungebrochen und wir befinden uns auf dem Weg in die nächste Evolutionsstufe. In der Gesellschaft 5.0 wird die Konnektivität noch mal eine neue Dimension erreichen. Ohne Frauen, die daran mitarbeiten, kann diese Zukunftsvision nicht umgesetzt werden. Zum einen, weil auf dem IT-Arbeitsmarkt Fachkräfte fehlen. Zum anderen ist Diversität in der IT besonders wichtig. Die digitale Transformation wird unseren Alltag immer stärker durchdringen und sie betrifft alle. Umso wichtiger ist es, dass in allen Applikationen und Algorithmen Chancengleichheit implementiert ist, um z.B. bias in KI und unfaire Algorithmen zu verhindern. Gemischte Teams haben ein besseres Verständnis für die unterschiedlichen Bedürfnisse und entwickeln inklusivere Anwendungen, die digitale Teilhabe möglich machen. Und das geht nur, wenn bei der Entstehung von IT-Produkten unterschiedliche gesellschaftliche und kulturelle Hintergründe vertreten sind und alle Geschlechter zusammenarbeiten.

Wir stellen uns die Frage, wieso sich so wenige Frauen für die IT-Welt begeistern.

There are no women on the Internet

Produziert werden die digitalen Welten allerdings immer noch weitgehend von Männern. Nach wie vor sind es in erster Linie Männer, die ein IT-Business gründen, erfinden und entwickeln – Frauen dagegen konsumieren. Höchste Zeit, dass sich etwas ändert! Ob App oder KI, genutzt werden digitale Dienste schließlich von allen Menschen und in Zukunft wird die Digitalisierung unser Leben noch sehr viel stärker beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, dass sie schon im Entstehungsprozess die Bedürfnisse und Besonderheiten aller Nutzer:innen berücksichtigt.

Ein Blick zurück – die ersten Programmierenden waren weiblich

Die IT-Arbeitswelt hat sich erst in den letzten 30 Jahren zu einer Männerdomäne entwickelt. Was viele nicht wissen: Die ersten Programmierenden waren weiblich. Programmieren war noch in den 80er Jahren ein typischer Frauen-Job. Allerdings ging es damals in der Regel um Fleißarbeiten für Bürokräfte mit niedrigem Status.

Doch ohne Frauen wie

  • Frances E. Allen, die Compiler-Technologien entwickelte

  • Radia Perlman, ohne deren Spanning Tree Protocol unsere heutige Vernetzung nicht möglich wäre oder

  • Margaret Hamilton, ohne deren Software Neil Armstrong wahrscheinlich keinen Fuß auf den Mond gesetzt hätte,

wäre die IT und unsere Welt heute eine andere.

Zu den wichtigsten Pionierinnen der Informatik zählt Eine der wenigen Ausnahmen war Grace Hopper, aka „Grandma Cobol“, die mit ihrer Vorarbeit den Weg bereitete für die erste maschinen- und herstellerunabhängige Programmiersprache COBOL, eine der Pionierinnen der Informatik. Sie arbeitete mit dem Mark I, dem ersten vollelektronischen Rechner der Welt. Sie erfand den Compiler und die Bezeichnung "Bug". Und sie war überzeugt, dass Frauen die besseren Coder sind: 

Man muss vorausplanen und alles so terminieren, dass es fertig ist, wenn man es braucht. Das geht nur mit Geduld und dem Blick für Details. Frauen sind Naturtalente im Programmieren.

Das gilt heute noch genauso wie 1967. Außerdem ist Softwareentwicklung ein kreativer Prozess. Anwendungen entstehen in Teamarbeit, bei der viel diskutiert wird, die unterschiedlichsten Ideen verfolgt und wieder verworfen werden. Je vielfältigere Sichtweisen die Beteiligten mitbringen, umso besser für das spätere Produkt.

IT-Branche wirbt um Frauen

Im Jahr 1987 lag der Frauenanteil unter denen, die Software entwickeln in den USA bei 42 %. Davon sind heute alle westlichen Industrienationen weit entfernt. Eine Bitkom-Umfrage hat ergeben, dass in deutschen Unternehmen der IT-Branche durchschnittlich nur 17 % der angestellten Fachkräfte Frauen sind. In der Games Branche sind es laut Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware etwa 20 %.

Doch die IT-Unternehmen haben sich hohe Ziele gesteckt: In den kommenden Jahren soll jede vierte IT-Stelle in Deutschland mit einer Frau besetzt sein. Viele ITK-Firmen sind bei der Förderung von Frauen Vorbilder. Die Deutsche Telekom etwa hat sich als erster DAX-Konzern eine Frauenquote für Führungspositionen auferlegt. Über Quotenregelungen lässt sich streiten und natürlich können sie nur eine Übergangslösung darstellen, die im Idealfall möglichst schnell wieder überflüssig wird.

Dass plötzlich um Frauen geworben wird, hat in erster Linie ökonomische Gründe: Es gibt nicht genug Männer, um die vorhandenen freien IT-Stellen zu besetzen. Wegen des Fachkräftemangels versuchen Politik, Verbände und Unternehmen schon seit Jahren, Frauen für die MINT-Fächer zu begeistern. 

In den Informatik-Vorlesungen sitzen mehr Frauen

Bisher zeigen millionenschwere Image-Kampagnen wie "Komm mach MINT" erst zarte Erfolge: die Anzahl der Informatik-Studentinnen steigt leicht an. 
Entwicklung der weiblichen Studierenden im Fach Inforamtik in den letzten 20 Jahren.

Innerhalb von 20 Jahren ist die Zahl Frauen, die Informatik studieren von 15,4 % auf 22 % gestiegen.

Quelle: komm-mach-mint.de

Um mehr Frauen für ein Informatik-Studium zu begeistern, gibt es an der Hochschule Bremen und Berlin seit einigen Jahren Informatik-Studiengänge, in denen Frauen unter sich z.B. “Informatik und Wirtschaft” studieren. Unter den Studentinnen sind viele, die über Umwege zur Informatik gefunden haben und vorher andere Fächer studiert und in anderen Berufen gearbeitet haben. Auch die Möglichkeit in Teilzeit zu studieren, ist für die ein oder andere ein wichtiger Punkt, um Familie und Studium unter einen Hut zu bekommen.
In kombinierten Informatik-Studiengängen wie der Medieninformatik oder der Medizinischen Informatik ist der Frauenanteil oft wesentlich höher als in der reinen Informatik. Interdisziplinäre Studiengänge, in denen schon die Erstis an Projekten praktisch arbeiten, sprechen mehr junge Frauen an und senken die Hemmschwelle. Frauen fühlen sich stärker angesprochen, wenn der Zweck der Tätigkeit deutlich wird. Umwelt- oder Bioinformatik vermitteln ihre Inhalte bereits über ihre Bezeichnung. In diese Fächer schreiben sich mehr Frauen ein.
Ob freiwillig, festgelegt oder gesetzlich vorgeschrieben, in der Praxis zeigt sich: Es geht nicht nur ums Studium und den Berufsstart. Mit 45 Jahren arbeiten nur noch 9 % der Frauen mit einem IT-Background in ihrem Beruf, ist das ernüchternde Ergebnis einer Studie der Hochschule Osnabrück.

Boys Club: Wo können Unternehmen nachbessern?

Zeit einen Blick hinter die Unternehmenstüren zu werfen. Gerade die IT-Branche steht für Innovation. Tech-Start-ups haben eine neue Arbeitskultur entworfen, die von anderen Branchen adaptiert und heute zum new normal geworden ist. Trotzdem ist in mehr als jedem 10. Unternehmen im Jahr 2022 keine einzige Frau in der Belegschaft.

Laut Bitkom stehen vor allem Start-ups und mittelständischen Unternehmen noch nicht ausreichend Mittel für ein besseres Diversity Management zur Verfügung. Konzerne dagegen bieten mit Kinderbetreuung, flexibleren Arbeitszeitmodellen, Mentoren-Programmen, Förder- und Weiterbildungsprogramme mehr Unterstützung. Hier arbeiten heute schon mehr Frauen als im Mittelstand und in Start-ups.

Frauenanteil in der ITK-Branche nach Unternehmensgröße

 Je größer das Unternehmen, desto mehr Frauen arbeiten dort. 

Quelle: bitkom.org

Der Wandel in Unternehmen muss definitiv ein paar Mbits pro Jahr schneller werden, wenn Deutschland als Innovationsstandort nicht abgehängt werden will. Bei Tech-Themen geht es nicht (nur) um Zahlen und Logik, es geht um Menschen. Digitale Produkte und Dienstleistungen werden von allen Menschen genutzt und müssen die unterschiedlichsten Anforderungen erfüllen. Deshalb sollten auch bei der Entwicklung möglichst unterschiedliche Menschen mitarbeiten.

Welche Bedürfnisse stellen Frauen der Gen-Z an Unternehmen?

Sie haben im Home-Office studiert oder ihr Onboarding im ersten Job in ihren eigenen vier Wänden erlebt, statt sich mit neuen Kolleg:innen und Komiliton:innen auszutauschen und sich gegenseitig zu stärken. Kein Wunder also, dass die Generation Z sich „Caring Companies“ wünscht. Neben einer ausgewogenen Work-Life-Balance ist der neuen Generation von IT-Spezialist:innen ein freundliches Umfeld und das Gefühl, aufgehoben zu sein, im Job wichtig.


Ergebnisse der Umfrage, worauf Studierende bei der Wahl ihres Arbeitgebers achten.

Quelle: Women & Work Student Survey 2022, womenandwork.eu

Um für Gen-Z-Girls ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, sollten Unternehmen deshalb dafür sorgen, dass junge Fachkräfte z.B. von Mentor:innen begleitet werden und Ansprechpartner:innen im Unternehmen haben, die sie um Rat fragen können. Auch Weiterbildungsmöglichkeiten und das Gefühl, eine Arbeit zu machen, die sinnstiftend ist und z.B. für die Gesellschaft einen Wert hat, sind ihnen wichtiger als das Gehalt.

Über Umwege in die IT: Quereinstieg für Frauen

In Deutschland zählen anders als in anderen Ländern der Uni-Abschluss und formale Kriterien deutliche mehr. Wer seine Java-Kenntnisse nicht schwarz auf weiß mit einem Zeugnis dokumentiert, wird oft nicht einmal zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ein kleiner Teufelskreis, denn es entscheiden sich immer noch zu wenige Frauen für ein Informatik-Studium. Die Gründe dabei sind vielfältig: Der hohe Männeranteil und die trocken und abstrakt klingenden Inhalte schrecken sie ab, oder sie schenken ihm Umfeld und der Gesellschaft Glauben, dass IT-Themen nichts für Frauen sind. Oft entdecken Frauen erst über Umwege ihre Tech-Leidenschaft und bringen sich autodidaktisch Programmiersprachen bei, bilden sich weiter oder besuchen Coding Bootcamps.

Als Quereinsteiger:in ohne IT-Studium ist der Weg gefühlt besonders steinig, aber er lohnt sich trotzdem. Frauen, die diese Bergetappe bravourös meistern, sollten als Vorbild sichtbarer werden. Es gibt sie nämlich! Zum Beispiel IT-Quereinsteigerin und Gründerin Mina Saidze, die nach Stationen in Start-ups und Konzernen als Data Evangelist ihre eigene Beratungsorganisation gründete, und die das Wirtschaftsmagazin Forbes 2021 als eine der „Forbes 30 under 30“ kürte.

Die neuen "IT-Girls"

Es gibt sie selbstverständlich, die weiblichen Geeks und Nerds, Gamerinnen und Haecksen. Und wer, wenn nicht sie, sollen ihren Geschlechtsgenossinnen zeigen, dass IT nicht nur aus Zahlenkolonnen besteht, sondern Spaß macht? Immer mehr Geekettes und Webgrrls schließen sich zusammen, tauschen sich aus, veranstalten Workshops und Wettbewerbe.

Befragung von jungen Menschen nach berühmten Männer und Frauen in MINT-Berufen.

Quelle: women-in-tech-report.pdf redaktionell bearbeitet durch get in IT

Wie die Umfrage unter jungen Menschen zeigt, sind MINT-Frauen längst noch nicht sichtbar genug. Für mehr Empowerment und mehr junge Frauen, die sich für einen Beruf im Tech-Bereich entscheiden, brauchen wir mehr sichtbare Vorbilder. Top-Managerinnen und Unternehmerinnen setzen als Role Modelns für junge Frauen Anreize, sich für die Branche zu begeistern und auch klare berufliche Ziele zu entwickeln. Die ein oder andere Tech-Frau im Rampenlicht mehr könnte dafür sorgen, dass in Zukunft mindestens genauso viele MINT-Frauen genannt werden wie Männer.

You can’t be, what you can’t see…

Networking, weibliche Vorbilder und Einblicke in die Praxis sind die wichtigsten Faktoren, um junge Frauen für die IT-Welt zu begeistern. Wir brauchen mehr Margarets, Adas und Radias!

tl;dr:
  • Insgesamt sind gerade mal 22 % der Informatik-Studierenden weiblich.
  • Noch bis in die 80er Jahre war Programmieren ein Job für Frauen. Erst später entwickelte es sich zu einer Männerdomäne.
  • Mentorinnen, Role Models und ein stärkeres Netzwerk schaffen für tech-affine Frauen mehr Anreize für einen Berufsstart in der IT-Welt.
 

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