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Informatiker: Helden in der Corona-Krise

Setz’ Dein IT-Talent für die Gesellschaft ein!

Von Bylle Bauer

 

 

Wo Du als IT’ler während und nach der Krise gut in Deinen Beruf starten kannst, das haben wir bereits erklärt. Jetzt wollen wir uns mal anschauen, wie Du Dein IT-Brain während der Pandemie auch abseits Deines Berufslebens einsetzen kannst.

Hacken für eine bessere Welt in der Krise

Ein Gutes hat die aktuelle Situation: Das Land hört wieder auf Wissenschaftler. Virologen wie Christian Drosten oder Prof. Dr. Wieler vom Robert-Koch-Institut sind plötzlich landesweit bekannt als Wegweiser im Chaos. Deshalb war es auch konsequent von der Bundesregierung, im weltweit größten Hackathon #WirVsVirus das Wissen der Crowd und viele weitere Experten in die Entwicklung gemeinsamer Lösungen einzubinden. Initiativen wie Code for Germany, Tech4Germany, Impact Hub Berlin und das Social Entrepreneurship Deutschland waren mit von der Partie. Hier konntest Du Dich als IT’ler engagieren, und sehr viele – über 40.000 Menschen – haben das auch getan.

Der Hackathon ist das wohl prominenteste Beispiel dafür, wie wichtig nicht nur Ärzte, sondern auch Informatiker für die Bekämpfung der Pandemie und ihrer sozialen Begleiterscheinungen sind. Binnen 48 Stunden wurden über 1.500 Ideen eingereicht, wie digitale Lösungen das Fortschreiten der Infektionen eindämmen und vulnerable Bereiche der Gesellschaft besser schützen können. Die 20 besten Ideen wurden prämiert und bekommen Fördergelder, aber auch die anderen Lösungsansätze können über Crowdfunding Wirklichkeit werden, wenn sie genügend Support finden.

Unter den Gewinnern von #WirVsVirus waren zum Beispiel:

  • Apps, die den Wartezimmeraufenthalt für den Corona-Test auf ein Minimum reduzieren, wie "Sicherheitstest" und "das digitale Wartezimmer"

  • Nachbarschaftshilfen wie "Machbarschaft", "wirfueruns" oder "Colivery", die auch für Menschen ohne Internetzugang nutzbar sind

  • Hilfs-Apps für lokale Geschäfte wie "Small Business Hero" oder "JAY"

  • Apps für die Lokalisierung und Organisation von Schutzgütern, wie "Remedy Match", oder deren Herstellung via 3D-Drucker, z.B. bei "Print4Life"

  • "Videobesuch" für Seniorenheime und "meinegemeinde.digital" für Gläubige aller Konfessionen

Die Bereicherung der Gesellschaft und des Gesundheitswesens durch Technik, Solidarität und Unterstützung im Alltag für verwundbare Gruppen und pragmatische Lösungen zur Infektionseindämmung waren wichtige Treiber dieser und weiterer toller Vorschläge. Alle Einreichungen kannst Du Dir auf der Projekt-Website anschauen. Auch wenn der Hackathon bereits vorbei ist: Er war nur der Startschuss für eine angestrebte längere Zusammenarbeit innerhalb der entstandenen Netzwerke. Du kannst Dich jederzeit mit guten Ideen melden und mitmachen. Und es werden mit Sicherheit nicht die einzigen Initiativen bleiben. Die Augen nach sinnstiftenden Hackathons aufzuhalten, lohnt sich aktuell definitiv!

Die Covid-19-Apps der Stunde: Datenspende und Contact Tracing

Auch bei den Corona-Apps des Robert-Koch-Instituts spielen Informatiker eine wichtige Rolle. Denn gerade gegenüber der zweiten App des RKI, die diese Tage erscheinen soll, hegt sich großes Misstrauen in der Bevölkerung: Totale Kontrolle oder hilfreiches Tool?

Die erste Corona-App des Instituts trägt den Beinamen "Datenspende". Sie übermittelt Vitaldaten, die viele User mit ihren Smartwatches oder Fitnessarmbändern ohnehin schon sammeln. Dadurch erhoffen sich die Forscher, anhand von interaktiven Karten die Ausbreitungswege besser zu verstehen und die Dunkelziffer zu verringern. Ausgereift ist anders: Wer die Devices nicht hat, kann an der Datenspende nicht teilnehmen. Zudem haben nicht alle Smartwatches und Fitnessarmbänder dieselben Ansprüche an den Datenschutz. Die Gesellschaft für Informatik (GI) kritisiert auch, dass der Code der App proprietär anstatt Open Source und daher nicht für jeden einsehbar ist.

Die andere App, die derzeit europaweit entwickelt und in Deutschland vom RKI veröffentlicht werden wird, beschäftigt sich mit dem Contact Tracing. Dadurch, dass möglichst viele Menschen die App installieren – mindestens 60 % der Bevölkerung wären notwendig – erhoffen sich die Forscher und Entwickler, Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten, schnell zu informieren, um die Infektionskette zu durchbrechen. Diese Aufgabe fällt derzeit noch den überforderten Gesundheitsämtern zu, die noch dazu nicht optimal vernetzt sind.

Die Challenge: Gesellschaftlich akzeptables Tracing

Bei der Entwicklung von einsatzfähigen Lösungen geht es vorrangig um drei Ziele:

  • die saubere Messung

  • die Möglichkeit zur vollständigen Anonymisierung sowie

  • die Freiwilligkeit und Interoperabilität zwischen den Ländern.

Bei der dahinterstehenden Technologie konkurrierten in der Anfangsphase vor allem zwei Konzepte miteinander: PEPP-PT, kurz für "Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing" und DP-3T, für "Decentralized Privacy-Preserving Proximity Tracing".

Die App soll so funktionieren: Dein Handy generiert laufend temporäre IDs, die keine Rückschlüsse auf Dich als Person zulassen. Via Bluetooth Low Energy checkt das Signal die ganze Zeit, ob andere temporäre IDs, also die Smartphones Deiner Kontakte, in Deiner Nähe sind. Wenn Du Dich länger als eine Viertelstunde weniger als 2 Meter entfernt von einer anderen ID aufhältst, wird der Kontakt für eine bestimmte Zeit gespeichert. Ist Dein Kontakt mit Covid-19 infiziert, werden alle temporären IDs, die er getroffen hat, auf dem Verteiler markiert. Deine App checkt, ob eine Deiner IDs dort auftaucht, und wenn dem so ist, löst sie einen Alarm aus. Der rät Dir, Dich beim Gesundheitsamt zu melden und in Quarantäne zu gehen.

Der Unterschied zwischen den beiden dahinterstehenden Techs liegt darin, wo die IDs gespeichert werden und von wo aus der Alarm ausgelöst wird. Bei PEPP-PT würde diese Aufgaben ein zentraler Server übernehmen. Das wäre für das RKI praktisch, weil es direkt darauf zugreifen und mit den Ergebnissen arbeiten könnte. Aber für Dich als User wäre es auch sehr riskant, einer zentralen Instanz zu vertrauen. Das macht die App für viele zum No-Go, und dann nützt sie auch nicht viel.

Die Meinung von IT’lern zählt!

Deshalb haben sich IT-Sicherheitsexperten wie die Hacker-NGO Chaos Computer Club eingeschaltet und die Mindestanforderungen für eine datenschutzkonforme Tracing-App definiert. Bei DP-3T werden die IDs auf Deinem Smartphone gespeichert. Du müsstest die freiwillige Entscheidung treffen, zu melden, wenn Du infiziert bist. Und Du kannst auch hier Deine Daten der Forschung zur Verfügung stellen, allerdings musst Du das nochmal gesondert bestätigen. Das dezentrale System ist für den Schutz Deiner persönlichen Daten die von Netzaktivist Linus Neumann und vielen seiner Kolleg:innen bevorzugte Lösung. Das haben sie in einem offenen Brief an die Regierung auch klar ausgedrückt.

Kurz darauf kam das Umschwenken, obwohl PEPP-PT als gesichert galt. Menschen mit IT-Knowhow haben also eine Menge zu sagen diese Tage! Natürlich sind sie auch zahlreich im 130 Köpfe starken europäischen Expertenteam vertreten, das derzeit die Technologie entwickelt. Der Überbau wird ein Standard für ganz Europa, die Entwicklung der jeweiligen Apps übernehmen danach die einzelnen Länder. Wichtig für unsere Regierung ist die Freiwilligkeit der Nutzung. Die Idee, sie mit Incentives wie mehr Bewegungsfreiheit zu verknüpfen, sehen Kritiker wie das Forum "InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung" als Nötigung an.

Auch Apple und Google arbeiten fieberhaft an einer länderübergreifenden, standardisierten Lösung für das Contact Tracing, und zwar ebenfalls auf der Basis von DP-3T. Auch diese ist nicht unumstritten, denn sie würde – zumindest ersten Plänen zufolge – beim Update auf das Smartphone aufgespielt, und damit wäre die Freiwilligkeit schon mal dahin. Der Nutzung soll man zwar aktuell noch zustimmen müssen, aber der Grat ist schmal. Apple und Google versuchen, mit viel Transparenz nach außen vorzugehen und betonen, wie wichtig ihnen das Thema Datenschutz in diesem Projekt ist. Hier gibt es in den nächsten Wochen bestimmt noch einige spannende Entwicklungen.

Deine Rechenleistung für den Supercomputer: Folding@home

Du kannst mit Deinem eigenen Computer dazu beitragen, die Pandemie zu stoppen. Wie? Indem Du Rechenleistung spendest! Und zwar für Folding@home. Das Volunteer-Computing-Projekt, das es seit 20 Jahren gibt, simuliert Proteine und forscht damit an einer ganzen Reihe von Krankheiten. Seit jeher sind Bürgerinnen und Bürger als Freiwillige dabei, die die Protein-Simulation auf ihren Computern laufen lassen. Die Server stehen in der Uni Stanford, von wo aus die Rechenleistung über eine Client-Software in so genannten Work Units an die Clients verteilt wird. Ist die eine Work Unit abgearbeitet, also auf Deinem Rechner gelaufen, schickt die Software das Päckchen zurück und Du bekommst eine neue Work Unit.

Durch ihre Beteiligung in Form von Rechenleistung ersparen die Nutzer den Wissenschaftlern eine Menge Arbeit und beschleunigen die Forschung enorm. Die Wirkstofftests, die da simuliert werden, minimieren sich auf diese Weise mal eben von Tausenden auf ein Dutzende oder Hunderte. Mitmachen kannst Du mit den gängigen Betriebssystemen Windows, Mac und Linux. Als "Belohnung" bekommst Du Bonuspunkte, die Du für einen guten Zweck einsetzen kannst.

Nun sind alle Augen auf Covid-19 gerichtet, und hunderttausende neue Freiwillige schließen sich dem Projekt an. Insgesamt ergibt die Rechenleistung von Folding@home mehr Power als die schnellsten Supercomputer der Welt. Nvidia forderte alle Gamer zuletzt auf, ihre GPU-Power an das Projekt zu spenden. Wenn Du mitmachen willst: Einfach hier die Software runterladen.

Werde zum IT-Helden!

Du siehst, mit ein bisschen Fantasie und Deinem IT-Knowhow kannst Du eine Menge toller Innovationen aus der Wiege heben. Das Gefühl, nicht nur zum Abwarten verdammt zu sein, sondern aktiv etwas bewegen zu können, bekommst Du gratis dazu. Wir haben hier nur einige Beispiele genannt, aber neben solchen großen Projekten ist es ja auch schon eine tolle Sache, wenn Du kleine Dinge tust, die Dir mit Deinem IT-Knowhow leicht fallen. Zum Beispiel könntest Du Deiner Mom ein paar nette Spielchen aufs Handy laden. Deinen Freunden helfen, ihr Wohnzimmerkonzert zu streamen. Oder Deiner Oma erklären, wie Videokonferenzen funktionieren. Darüber freut sie sich im Lockdown bestimmt! ;-)

tl;dr:
  • Auch abseits vom Beruf kannst Du Dich als IT-affiner Mensch in spannenden Projekten einbringen, die einen großen Mehrwert für die Gesellschaft darstellen.
  • Die Bundesregierung und das Robert-Koch-Institut binden Informatiker in die Entwicklung von Corona-Apps ein.
  • In der Krise ist gemeinsame Action das Beste, also finde heraus, welches Projekt Dich begeistert und mach mit!
 

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